Swing und Lindy Hop Tänzerinnen und Tänzer aus Kiel berichten von Ihren Erfahrungen aus anderen "Swing-Gemeinden",

die sie im Urlaub, auf Workshops oder bei Lindy Exchanges gemacht haben:


Copenhagen Swing Challenge 2015

23. - 25. Oktober 2015 in Copenhagen/DK




Ballsaal im Moltke's Palais

Und ein weiteres Mal haben Kieler Lindy Hopper den Sprung über die Ostsee gemacht und ein riesiges Lindy-Fest erlebt. Der Copenhagen Swing Challenge ist das dritte und letzte Lindy-Großereignis der Copenhagener Swing-Szene eines Jahr und war von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, den Trainerpaaren, den DJ's Anton Cervin und Jonas Larsson (beide Schweden) und den Bands global-international. Tänzerinnen und Tänzer aus fast allen Staaten Europas und den USA genossen drei Tage ausgelassenes Lindy-Hoppen. Die international bekannten Trainerpaare Max Pitruzella (Frankreich) / Pamela Gaizutyte (Litauen),  Vincenzo Fesi (Italien) / Katja Hrastar (Slovenien),  Jon Tigert (USA) / Jenna Applegarth (USA) und Felipe Braga (Brasilien) / Laura Spencer (USA) boten interessante Stunden für etwa 150 Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer in vier levels von Beginners bis Advanced-Plus in der Old School Hall der Gotvedskolen und den Ballräumen des Söpavillonen im Centrum der wunderschönen Stadt. 

 

Höhepunkte waren die abendlichen Bälle: am Freitag Abend der Hampton-Ball im Söpavillonen mit der Gordon-Webster-Band aus New York und am Samstag der Manning-Ball im noblen Ballsaal des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Moltke-Palais in unmittelbarer Nähe  der Amalienborg, dem Wohnsitz der dänischen Königin. Hier spielte die Hot Sugar Band aus Paris zu einem wirklich herrschaftlichen Swingball mit gut 300 Tänzerinnen und Tänzern auf. Den Abschluss bildete der Teadance am Sonntag Nachmittag, zu dem die schwedischen DJ's derart einheizten, dass selbst der hölzerne Söpavillonen in allen Fugen ins Swingen kam.

 

Einen lebendigen Eindruck vom CPH-Swing-Challenge könnt Ihr über die Filme

- Copenhagen Swing Challenge 2015   und

- Teachers presentation und

- Teachers Performance  und

- Strictly lindy finals bekommen sowie in vielen Bildern vom Manning-Ball bei hippiephobia.net.

 

Und ganz nebenbei: Kopenhagen ist eine wunderschöne und sehenswerte Stadt, Empfehlenswert ist die die Erkundung mit dem Fahrrad.

 


Copenhagen Lindy Exchange 2015 - 14. - 17. Mai 2015 in Copenhagen/DK

 

In mehrfacher Hinsicht ein überwältigendes Event. Der dritte LX in Kopenhagen. Und Kieler Lindy Hopper waren dabei.
Da in der Woche Himmelfahrt war, wurde schon am Mittwoch Abend die Pre-Party angesetzt. Hier schon mit Taster und Livemusik. Das Programm tagsüber war locker und entspannt, interessant und eindrucksvoll! Für 280 Teilnehmer wurden 2 Sightseeing Boote gebraucht, toller Boattrip! Christiania allein war schon sehr beeindruckend, so etwas kann man nicht erzählen. Die Abende im Seepavillion auf 2 Etagen, mehrere Livebands pro Abend, rundum gut organisiert. Wir hatten das Glück, dass wir eine private Unterkunft hatten. Hostels und Pensionen sind recht kostspielig.
Mein Video kann nur einen kleinen Teil dieses tollen Exchanges zeigen.
Absolut empfehlenswertes Ereignis!
Christian B.
... und hier der offizielle Film vom CPH:LX 2015

Ugly Duckling Swing Festival -  24. bis 26. April 2015 in Odense/Fyn/DK

- Swing Festival for Newbies and Swannabies -

 

Der Swing-Tanzsportverein “Swinging the Shoes” hatte zu einem internationalen Workshop und Swingfestival nach Odense eingeladen. Über eine perfekt und sehr schön gestaltete website wurde die Veranstaltung lange im Voraus beworben und über alle wichtigen Details informiert sowie die Registrierung gesteuert. Der schönen Einladung folgten fünf Kieler Lindy-Hopper und weitere 145 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem aus Dänemark und dem Norden Deutschlands (Berlin, Bremen, Hamburg) aber auch mit zum Teil internationaler Herkunft wie aus Australien, Frankreich, Schweden oder Polen.

Eine Überraschung gab es schon beim check-in am Freitagabend: die OSF/OASF Danseskole als zentrale location des Workshops präsentierte sich als hervorragende Tanzstätte mit insgesamt vier großen Sälen, die jeweils etwa 40 Tänzerinnen und Tänzer aufnehmen konnten, und mit einem Bistroraum, wo Getränke und Obst ständig für alle bereit gehalten wurden.

Und die Begrüßung: herzlich und freundlich wurden wir von einer strahlend lächelnden Conny Jensen und ihrem großen Team (alle mit speziellem T-Shirt „Who to ask“) empfangen, registriert, mit Teilnehmerarmband und Namensschild, Festival-Shirt und zahlreichen give-aways wie Schuhbeutel, Schweißtuch und Lakritz ausgestattet und den verschiedenen Trainingsklassen für samstags und sonntags zugewiesen. Die Unterbringung der Gäste erfolgte teilweise privat oder auch in nahegelegenen Hotels nach Wahl.

Nach der check-in-Prozedur stieg am ersten Abend um 21:00 Uhr die offizielle Begrüßung und das opening durch Conny Jensen und dem Namensgeber des Festivals, Hans-Christian Andersen, der weltberühmte Dichter aus Odense und seiner kleinen Theatergruppe mit den Figuren aus seinen bekannten Märchen – einfach zauberhaft und ein very warm welcome !!!  Und dann ging sie ab, die Kennenlern-Party „Once Upon A Time“ mit der Swing-Band  „Sin Brothers“ aus Argentinien und einem DJ, die den gefüllten Saal und den Lindy-Hoppern bis nach Mitternacht abwechselnd mächtig einheizten. Und mittendrin eine erste „Jack and Jill“ – competition für die classes intermediate und intermediate advanced mit schönen Preisen für die Gewinner.

Der workshop beginnend am Samstagvormittag war in die vier Klassen beginners (Clumpsy Hans), beginners intermediate (The Little Mermaids), intermediate (The Storks) und intermediate advanced (The Wild Swans) eingeteilt und wurde von den vier Trainerpaaren reihum „bearbeitet“:

      -  aus Argentinien                             Mariel & Manuel

     -   aus Kopenhagen                            Kit & Jesper

     -   aus Schweden/Berlin                     Lizette & Marco

     -   aus Hamburg                                 Marei & Ole

Einschließlich einer einstündigen Mittagspause mit einem gemeinsamen Lunch in der Tanzschule trainierten wir von 10:00 bis 17:00 Uhr in den vier verschiedenen Klassen, und das war noch nicht der Abschluss. Ein wenig Ruhen, Duschen und Aufbrezeln in der jeweiligen Unterkunft, und dann ging es um 21:00 Uhr weiter in den HIPS Dance Studios mitten in Odense mit dem märchenhaften Abend „The Flying Trunk“. Der bekannte Hamburger Schellackplatten-DJ Mosquito Hopkins und die Swing-Band The Killin‘ Trills ließen alle Tanzbeine swingen, und das Erlernte wurde gleich in den Tanzboden gebounced u. a. kick the dog oder diverse swing-out variations.

Im Programm Style me Lindy (Friseur), Historical Photo Corner, HipHop-Vorführung, Midnight Snack, ein Jack and Jill für beginners und beginners intermediate (mit einem tollen Preis in Form von zwei Karten für die Teilnahme am Kieler Lindy Exchange 2015 im Juli diesen Jahres), Lindy Hop der Tanzlehrer und eine Jam-Session der Bands Sin Brothers und The Killin' Trills. Im Ergebnis wurden etwa 6 bis 7 Stunden "vertanzt" an diesem Tag – eine echte Herausforderung für alle Ugly Ducklings.

Und kaum Zeit für die Regeneration: am Sonntag starteten wir mit einem gemeinsamen Brunch, liebe- und geschmackvoll zubereitet und präsentiert vom Ugly Duckling Team, und dann ging es weiter mit Teil III des Workshops und anschließenden taster classes in St. Louis Shag, Partner Charleston, Balboa, English Waltz und Musicality, Breaks & Endings ……

…..und wer immer noch nicht genug bekommen hatte, konnte dann von 16:30 bis 18:00 Uhr weiter bouncen und hoppen beim Happily Ever After mit DJ Mark.

Ja, was ist als Ergebnis festzuhalten? Zuallererst ein Riesendank an Conny Jensen und die vielen freundlichen, helfenden Hände der Swinging the Shoes für eine ganz tolle Gastfreundschaft, für die liebevolle Vorbereitung und Betreuung der Festival-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer, für die perfekte Organisation und reibungslose Durchführung des Festivals. Wir haben uns bei Euch zuhause gefühlt !

Ein großer Dank an die Tanzlehrer, die uns mit ihrem groove angesteckt und zu tollen Tanzerkennt- und -erlebnissen geführt haben, und an die Bands und DJ’s, die allen Tänzerinnen und Tänzern mächtig eingeheizt haben. Nicht zuletzt ein Dank auch an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihre Offenheit und Fröhlichkeit, für ein wirklich schönes, gemeinsames Tanzerlebnis und darüber hinaus auch für viele nette Gespräche und Informationen, auch trotz manchmal radebrechendem Englisch immer mit gegenseitigem Verstehen.

Ugly Duckling 2015 auf facebook

... hier kannst Du weitere Fotos sehen: Fotostrecke

... und hier Videos: Jack &Jill: Video

 

Es bleibt die Erinnerung an einen gigantisch hohen Adrenalinspiegel und absolute Glücksgefühle, auch an Muskelkater

und Schmerzen der platt getanzten Füße, aber vor allem das Bedürfnis nach mehr Lindy und Swing.

 

 Gerhard

 


Normalerweise posten wir hier Berichte die mit Swing und Lindy Hop zu tun haben.

Das ist heute ganz anders. An dieser Stelle möchten wir Euch wieder etwas ganz besonderes vorstellen.

 

Get your kicks on Route 66

Die USA-Radtour von Heinz Dannath 2018 !

 

Heinz ist vielen von Euch ja sicher als Kieler Swingtänzer bekannt. Heinz ist aber auch begeisterter Radfahrer und ist gerade wieder auf einer besonderen Radreise, von der er uns wieder Tourberichte gesendet hat.

 

Get your kicks 1 vom 13.08.2018

 

Hallo zusammen,

here I go again on my own. Wieder einmal. Diesmal soll es die Route 66 werden. Ich weiß, einige meinen, ich hätte eine Schraube locker. Aber das gibt meinem Leben ein wenig Spiel.

Obwohl die Straße in Chicago anfängt, bin ich am 2. August nach Toronto geflogen. Ich wollte noch gute Bekannte aus dem letzten Urlaub besuchen. Diesmal hatte ich mich aber vorbereitet. Um festzustellen, ob ich wirklich fit bin, hatte ich eine Testtour von München nach Bremen gemacht. Hat aber nicht viel gebracht, denn es ist ein Unterschied, ob ich mit 10 Kilo oder 32 Kilo Gepäck unterwegs bin.

Drei Tage war ich in Toronto, um in Ruhe mein Fahrrad und mein Gepäck zu richten, aber auch, um die Stadt zu erkunden. Mein Reiseführer war nicht so dick, der größte Teil war der allgemeine. Das Hotel lag am Rand von Downtown, und so war ich den ersten Tag zu Fuß unterwegs. Am 2. Tag hatte ich einen Tagespass für Bus und Bahn. So war ich beweglicher und konnte abends meinem anderen Lieblingssport nachgehen. Ich fuhr hinaus nach Bloorcourt Village zum Dovercourt House, weil eine Swingparty angesagt war. Ich blieb aber nicht sehr lange, denn es war im Saal viel zu heiß. Obwohl eine Band spielte, war nicht viel los, wohl wegen der
Hitze und dem Bankholiday-Wochenende. Am dritten Tag bin ich mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Ein Tip war, nach Toronto Island rüber zu setzen. War ja auch nicht schlecht, wenn nicht Hunderte die gleiche Idee gehabt hätten. Am CN Tower genauso.  Wenn man nicht 2-3 Stunden warten wollte, kam zu den normalen Eintritt von 26$ ein Zuschlag, und natürlich auch für den Skypod in 447m. Da lange Wartezeiten nicht mein Ding sind, waren es auf einmal 62$. Den “walk on the edge” habe ich mir verkniffen. Nicht, weil ich Angst hatte, aber über 220$ war mir der Spaß nicht wert.

Am Montag, den 6. August ging es dann los. Eine Warmshowers Unterkunft hatte ich in Beamsville, 100 Kilometer entfernt. Lachhaft dachte ich, denn die Strecke ist ja flach. Es kam anders, weil ich viele Pausen machen mußte. 9 Uhr morgens 28°, zwei Stunden später 36°, da war nichts mit Gas geben. Und überall am Wasser waren Menschen. Sie taten das, was alle mögen, nämlich faulenzen. Jeder freie Platz war belegt [ruhig ist anders]. Das änderte sich schlagartig am Nachmittag. Ich war in 5
Stunden ca. 65 Kilometer gefahren, da gab es einen ergiebigen Regenschauer, und die Temperatur sank auf 23°. Ich brauchte keine Regenjacke, denn ich war auch ohne Regen klitschnass. Gut war, dass meine Gastgeber mich so gut versorgten, dadurch konnte ich mich von den Strapazen gut erholen.

Für den nächsten Tag hatte ich mich mit Jane verabredet, wir hatten sie vor zwei Jahren kennengelernt. Übermütig wie ich bin, entschied ich mich fürs Haus am See, 136 Kilometer, obwohl ich auch in Buffalo hätte übernachten können. Ich kannte die Strecke von 2016, also was soll's. Es wurde ganz schön stressig. Bin erst um 10 Uhr in Beamsville weggekommen, es war wieder warm und feucht, und als Handicap gabs eine Brückensperrung. Um über die Peacebridge in die USA zu kommen, mußte ich
den Shuttleservice anrufen. Im Bus kam ich mir wie ein Knacki vor. Ich musste den Paß abgeben, hinten einsteigen, und dann wurde die Tür verriegelt. Sie wurde erst wieder entriegelt, als auf US Seite ein Officer davor stand. Bis das Einreiseprozedere beendet und ich wieder weiter konnte, war es schon fast 17 Uhr, und ich hatte noch 55 Kilometer vor mir. Es schlauchte, weil ich unter Zeitdruck war, auch wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und dem Gegenwind. Wenn man dann ankommt, freundlich empfangen wird, gleich duschen kann, anschließend gutes Essen und ein Bier bekommt, dann ist die Welt in Ordnung und die Müdigkeit wie weggeblasen.
Weil es am nächsten Vormittag regnete, machte Jane den Vorschlag, dass ich erst nach Mittag losfahre und vormittags mit ihr Pickleball spiele. Besser als bei Regen radfahren. Was Pickleball ist, schaut bitte selber nach, unter facebook” pickleball Island”. Es sind auch ein paar Bilder von mir dabei. Die zwei Stunden Sport haben mich so geschlaucht, dass ich mein gestecktes Ziel von 75 auf 30 km reduzierte. In dem nichtssagenden Ort Dunkirk ging ich in ein Hotel, und es war nur noch duschen und relaxen angesagt.

Die weitere Strecke bis Richfield wäre ohne Gegenwind und Hitze angenehmer gewesen, aber ich bin wie verabredet am Samstag angekommen. Bei Eric und Diane ist es wieder kurzweilig, auch ohne Sweetcornride. Dinner gab es am Abend bei Marilyn und Gary. Sonntag war frei, da war waschen und Fahrradplege angesagt. Heute haben die vier mit mir und vier anderen Freunden  eine Radtour nach Cleveland und Retour gemacht. So war die verdiente Pause doch nicht ganz ohne Radfahren.

 

Morgen sage ich Tschüss und schau mal, was kommt.Wie heißt es so schön: "Wenn man Freuden teilt, werden sie nicht weniger."

Bis zur nächsten Mail

 


Get your kicks 2 vom 22.08.2018

 

Hi, da bin ich wieder.

Endlich angekommen. Nicht in Los Angeles, sondern an der Route 66. Bis Dwight waren es doch ein paar Kilometer. Toronto-Beamsville 100 km, Farnham 138 km, Dunkirk 28 km, Avonia 105 km, Cleveland Willoughby 122 km, Richfield 68 km, Huron 101 km, Pempersville 99 km, Napoleon 70 km, Fort Wayne 108 km, Rochester 118 km, Rensselaer 95 km, Kankakee 85 km und heute bis Dwight 65 km, also ungefähr 1300 km.

Am 14. August hieß es Abschied nehmen in Richfield. Eric machte mir ein besonderes Geschenk. Er lud sich die Tasche mit der Campingausrüstung, gute 7 Kilo, auf sein Rad und begleitete mich 30 Kilometer. Dadurch war es für mich leichter, den Hausberg mit 14% Steigung zu nehmen. Erik mit seinen 71 Jahren hatte natürlich keine Probleme. Er war aber froh, die Last wieder los zu werden.

Die Strecke, die ich fuhr, ist schnell beschrieben:  flach, abwechselnd Gegenwind, Rückenwind und links und rechts Corn and beans, monotone Monokultur mit Farmen als Farbtupfer.  Hauptsächlich schaute ich auf die Straße, um den Schlaglöchern auszuweichen. Das Gute war, auch wenn das einziges Highlight das Stück am Maumee River bis Napoleon  war (jetzt weiß ich, woher die Campbells Suppen kommen), dass es fast ausschließlich einsame Nebenstraßen waren. Garmin machte es so gut, daß
ich, wenn ich nicht abgebogen wäre, die Orte mit einem kühlen Restaurant verpaßt hätte. Von den Ortschaften fällt mir nur Bowling Green als sehenswert ein.

Die Highlights waren die Warm Showers. In Pemperville wollte ich zelten, doch man bot mir ein komfortables Zimmer an. Anschließend mußte ich mit zum Farmersfair, eine Mischung aus Leistungsschau und Kirmes. Es gab auch einen Wagenkorso. Die Eltern hatten ihren Kindern beim Dekorieren kleiner Wagen geholfen, und mit Kapelle vorne weg gings durchs Dorf. Immer wieder wurde ich vorgestellt. Alle fragten, woher ich bin, aber keiner hatte eine Vorstellung. Nur ein älterer Herr verblüffte alle, nicht nur, das er vor 40 Jahren schon mal in Kiel war, er kannte auch den Besitzer von Jokisch in Preetz.


In Fort Wayne überraschte mich meine Gastgeberin damit, das sie mich in ihr Wochenendhaus an einem See einlud. Also blieb ich ein Tag. Morgens ging es zum Wochenmarkt, und mittags fuhren wir 80 Kilometer zum George Lake. Faul rumsitzen war nicht. Ich konnte wählen zwischen Stand up paddling und Kayak. Ich nahm das Boot, und später in einer ruhigen Ecke versuchte ich mich auf dem Board. War nicht schlecht, aber mir war das Boot doch lieber.

Auch bei den anderen Warm Showers wurde ich immer herzlich aufgenommen, und es war nie langweilig. Wenn ich keine Unterhaltung mehr wollte, konnte ich mich zurückziehen und pennen. Denn ich habe festgestellt, dass ich die direkte Sonneneinstrahlung und die Luftfeuchtigkeit nicht gut vertragen habe. Vielleicht habe ich für den Anfang zu viel Gas gegeben. Die letzten Tage war zwar Regen, aber Abkühlung hat es nicht gegeben, jeden Tag 26* oder mehr.

 

Heute hatte ich wieder einen Fahrradtag, wie er sein sollte, sehr abwechslungsreich. Da störte das Atomkraftwerk in Braidwood auch nicht. Ab Braceville, nördlich von Dwight, hatte ich dann endlich die Route 66 unter den Reifen.

Jetzt bin ich in Dwight und werde von morgen an, wann immer es geht, auf der Route 66 fahren. Mal sehen, wie viele Mais- und Sojabohnenfelder es geben wird, oder ob es abwechslungsreich bleibt.

Ich werde berichten.


Get your kicks 3 vom 06.09.2018

 

Hallo,
Ich schreibe mal wieder, denn 14 Tage sind um. Die letze Mail und das erste Mal von der Route 66 war aus Dwight. Mittlerweile bin ich durch Illinois, Missouri, Kansas(immerhin 2100 Kilometer) gefahren und nun in Tulsa, Oklahoma angekommen.

Meine Übernachtungsorte seit Dwight waren 23. August Bloomington, Springfield, Gillespie, St. Louis, Eureka, Sullivan, Rolla, Laquey, Marshfield, Springfield (Missouri), Joplin, Vineta City und heute Tulsa. Mehr als 1000 Kilometer auf der 66, das ist doch schon mal ein Anfang.

Wie soll ich die Route 66 beschreiben? Also, links und rechts auf dem dunklen Asphalt sind weiße Streifen, damit man nicht von der Straße abkommt. In der Mitte gibt es einen orangefarbenen Doppelstreifen, häufig auch nur gestrichelt, der die Fahrbahn in zwei Spuren unterteilt, also wie bei anderen Highways auch. Das Besondere an dieser Straße ist die Geschichte. Denn es war die erste durchgehende Straße, die bis 1938 von Chicago bis Los Angeles vollständig geteert war. Sie verkörperte für die Amerikaner Freiheit und Mobilität. Offiziell gibt es die 66 gar nicht mehr, aber die Mythenbildung begann schon sehr früh. Doch der Verfall begann trotzdem
mit dem Bau des Interstates in den 60ern. Für viele Orte war das damals der Ruin. Aber weil der Mythos immer noch lebt, ist man seit gut zwanzig Jahren bestrebt, der Route 66 das Feeling vergangener Tage wiederzugeben. Es ist immer noch die Straße der Sehnsucht, und tatsächlich sind auch noch 80% vorhanden und befahrbar, nur mit anderen Namen.
Darum bin ich hier, mit 66 auf der 66. Auf nach Kalifornien!! Nur 135 Kilometer von den bisher 1200 Kilometern bin ich nicht gefahren, weil ich erst in Dwight begonnen habe. Diesmal habe ich mich vorbereitet, denn zum einem ist die Streckenführung nicht immer ersichtlich, zum anderen wollte ich auch ein paar nützliche Tipps haben. Ich habe Fahrradkarten von Adventure Cycling und ein sehr schön illustriertes Buch von Jerry Mc Clanahan (Drive Route 66 the EZ66 way), das die Besonderheiten an der Strecke beschreibt.Mit den Karten konnte ich die Strecke ins Garmin eingeben, was es jetzt sehr einfach macht.

In Illinois hat man sich besonders viel Mühe gegeben. Es gibt auch einen 66 Biketrail, der parallel zur Straße verläuft. Das hätte aber nicht nötig getan, denn der Verkehr läuft dröhnend auf dem Interstate. Die Trails führen, wie auch die 66, immer durch die kleinen Orte, wo es meistens was zu sehen gibt. So hat man auch die Werbetafeln aus den 30er bis 60er Jahren der Firma Burma shave wieder aufgestellt. Die Firma machte mit Sprüchen, die auf den Schildern waren, auf ihre Rasiercreme aufmerksam. (legendofamerika.com)

Es gibt vieles, was ich mir hätte anschauen können, doch mit dem Rad bleibt mir nicht die Zeit, um, wie z.B. die Museen in Pontiac, die sich mit der 66 befassen, zu besuchen.Denn mit dem Rad muß ich doch planen, wo ich abends unterkomme. Ein Tag vorher lege ich mich fest, wo ich schlafen werde. Mal ist es ein Warm
Shower, mal ein Motel. Auf Zelten verzichte ich im Moment, weil es viel zu heiß ist (meist über 30°C). Dazu kommt, daß, wenn mal ein Campingplatz vorhanden ist, links der Interstate läuft und rechts die Eisenbahn fährt. Soviel Gehörschutz gibt es nicht, um ruhig zu schlafen.

So bin ich auf ruhigen Straßen, wo ich auch Shirley McLean gesehen habe, nach St. Louis gekommen. Reizvoll waren diese Orte aber nicht. St. Louis, was für ein Name. Um es kurz zu machen. Wenn der Gateway Arch nicht am Mississippi stehen würde, könnte man an der Stadt ruhig vorbeifahren. Downtown besteht nur aus Parkplätzen, Park- und Bürohäusern. Das ist mir bestätigt worden. Leben ist nur im Ballparkvillage, wenn die St. Louis Cardinals spielen, das war aber nicht der Fall.
Ohne Auto geht gar nichts. Habe versucht, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den interessanten Außenbezirken zu kommen, doch das ist sehr zeitaufwendig. Aber der Gateway Arch mit der Ausstellung über Eroberung und Besiedelung des Westens und wie die USA zu dem wurden, was sie heute sind, ist schon sehenswert. Die Fahrt mit dem "Aufzug", um in den Aussichtsraum in 190m Höhe zu kommen, ist nichts für Leute, die in engen Räumen Angst bekommen. Gut daß ich mit normalgewichtigen Leuten in der kleinen Kabine war. Die 13$ war es wert. Und ich fand abends tatsächlich ein Restaurant in Laufnähe vom Hotel, sogar mit Livemusik.

Nun war ich in Missouri, und der erste Radtag raus aus St. Louis ging über eine so reizvolle Strecke, daß ich die nicht vergessen werde. 40 Kilometer Businessroute, nur Betriebe für alles mögliche, Fast Food Restaurants, Verkehr wie auf der Autobahn und Hügel ohne Ende. Damit nicht genug, 30°C im Schatten, hohe Luftfeuchtigkeit und leichter Gegenwind rundeten die Sache ab. Nach nicht einmal 60 Kilometern war ich platt. Der Ort Eureka, Ort kann man es eigentlich nicht nennen, bot mir eine günstige Unterkunft.Die nächsten Tage waren schöner, nicht nur, weil an einem Tag Regen war, sondern die Landschaft war anders. Kein Corn and Beans, sondern Weideland und Wälder. Von den Ortschaften ist Cuba mit seinen Wandmalereien hervorzuheben.

Doch die Highlights waren die Menschen, denen ich begegnet bin. So der Pickup Fahrer, der mir, weil es regnete, eine Mitfahrgelegenheit nach Springfield anbot. Die faule Socke in mir schrie sofort: machen wir. Ich aber sagte: ich habe Zeit, ich fahre Rad. Dann mußte ich schnell los, sonst wäre ich schwach geworden. Einen Tag vorher auf der Business Road hätte ich sofort ja gesagt.

So aber habe ich nette  Warm Shower Gastgeber kennengelernt, die mir auch mal nur eine Couch anboten, damit ich bei der Hitze nicht im Zelt schlafen mußte. Nicht zu vergessen Andre, ein Brasilianer, der mir zum Abendessen eine brasilianische Fischsuppe mit Reis servierte. Oder auch Alex, Armee Ingenieur, der zur Ausbildung in einer Base bei Waynesville ist. Er lud mich mittags zum Essen ein, damit ich von meiner Tour erzähle.

So ist es, ich bin der Storyteller, erfreue andere mit meinen Geschichten und genieße Gastfreundschaft.

So radel ich jeden Tag durch die Botanik, und wenn ich mal Schatten brauche, oder ein Lokal sieht schon außen gut aus, mache ich einen Stop. So in St. Clair im alten Busstop, das war an meinem Regentag. Ich bestellte Kaffee, nahm ein Cookie und wollte zahlen. Der alte Herr sagte nur: da ist eine Box, lege soviel rein, wie du meinst. Danach schenkte er mir noch einen Cookie.

Ein besonderer Typ war der Koch in der Devils Elbow Bar. Der sah nicht nur grimmig aus, er lief auch mit einem Revolver am Gürtel rum.

Und andere Radler sind auch unterwegs. Rita war mit ihrem Mann in Chicago gestartet, genau wie Nicola, Italiener und Ultramarathonmann. Der fährt morgens um drei Uhr los und hat jeden Tag 230 Kilometer zurückgelegt. Naja, wenn man keine Zeit hat.

Ich bin aber auch die letzten drei Tage immer über 110 Kilometer gefahren. Das liegt auch daran, daß die Entfernung zwischen Übernachtungsmöglickeiten größer werden. Orte gibt es genug, nur ohne Service. Wird wohl auch so bleiben.

Nun bin ich in Tulsa und habe wieder eine Warm Shower Unterkunft. John und Liz meinen es richtig gut mit mir. Ich bekam eine Warmshowerempfehlung für Oklahama City am Freitag und mein Motel für morgen ist auch gebucht. Es gab lecker Essen und ich durch den Wein bin ich richtig entspannt. Hatte die Mail schon soweit fertig,darum mache ich jetzt Schluss. Noch bin ich guter Dinge und hoffe, daß es weiterhin so gut klappt. Auf das ich von Stürmen, Starkregen, Erdbeben und Tornados verschont bleibe.
Bis zum nächsten Mal


Get your kicks 4 vom 20.09.2018

 

Hallo, ich bin schon in Flagstaff!!

Erst einmal vielen Dank für die begleitenden Mails und die Geburtstagsgrüße. Freue mich immer wieder, wenn eine kommt, tut richtig gut. Dann noch eine Berichtigung: in Kansas bin ich nur 21 Kilometer gefahren, und die anderen Radler waren mir entgegengekommen, also in Los Angeles gestartet.

Meine Stops seit Tulsa: Chandler, Oklahoma City, Weatherfort, Sayre, Mc Lean, Groom, Lift nach Albuquerque, Cubero, Gallup, Chamber, Holbrook, Winslow und heute, am 19. September Flagstaff.Nun bin ich auch schon in Oklahoma, Texas, New Mexiko und ein gutes Stück in Arizona gefahren, aber sagen, wo es mir besser gefallen hat,
kann ich nicht.
Oklahoma, die große, fast flache Einsamkeit.  Man entdeckt die Durchschnittlichkeit der Orte. Doch wenn man genau hinsieht, gibt es immer etwas. Seien es die Wandmalereien, gute, kleine Diner oder einfach nur die ”verfallene, gute alte Zeit“ an der 66. Wo wir Vorgärten haben, liegt hier Schrott rum. Aber nicht nur. Ich erfahre die 66 und erlebe das gute gastfreundliche Amerika. Es ist nicht altmodisch, auch wenn es verschlafene Nester gibt.

In Chandler wollte ich früh morgens nur das Atelier des Autors "EZ 66" fotografieren, da kam er aus seinem Haus, fing gleich an zu plaudern und bat mich hinein.So sah ich sein Atelier auch von innen, Jerry Mc Clanahan ist auch Maler. Bilder ab 600$ aufwärts. Aber mein Buch "EZ 66" signierte er umsonst. Das Gespräch war so interessant, daß ich das Fotografieren vergessen habe.

An diesem Tag regnete es hin und wieder mal kräftig, und an den Steigungen war es, als ob ich durch einen Bach fuhr. Meine Gastgeberin in Oklahoma City war schon besorgt, sie schrieb immer mal eine SMS. Als ich angekommen war, schüttete es richtig. Die Straße vorm Haus sah aus wie ein Gebirgsbach. Moni bot mir gleich an, zwei Nächte zu bleiben, und ich wurde gleich in ihre Aktivitäten eingebunden. Es ging zum Bikeclub, wo Tüten für ein Benefizrennen am Sonntag gepackt wurden. Weil ich half, bekam ich ein T-shirt als Geschenk.

Am Samstagmorgen fuhren wir zum Frühstück mit ihren Bikefreunden.  Was ch nicht wußte, John aus Tulsa  hatte ihr geschrieben, dass ich am Samstag Geburtstag habe. Nun saß ich in der Runde, alle standen auf und brachten ein Geburtstagsständchen. Hatte ein bisschen feuchte Augen, konnte aber auch von der Zugluft gewesen sein.

Danach fuhren wir die interessanten Orte ab, Stockyard City mit der Auktionhalle und den riesigen Gattern für die Rinder. Dann zum OKV Logo, ein Muss. Ein anderes Muss ist das Oklahama City National Memorial, welches man den Opfern des Bombenanschlag von 1995 gewidmet hat.

Ein Denkmal anderer Art ist das Landrun Monument. Am 22. April 1889 stürmten 50.000 Menschen zur gleichen Zeit los, um ein Stück Land im letztem Indianerschutzgebiet zu ergattern. Mittags um 12 Uhr gab eine Kanone das Signal, und das Chaos begann. Es war ein so dramatisches Ereignis in der Geschichte Oklahomas, dass man dieses Monument zur Erinnerung schuf.

Abends wollte ich in einem typischen Steakhouse in Stockyard City  mit Moni essen gehen, das wurde aber nichts. Zu viele hatten die gleiche Idee und standen Schlange. So gab es bei ihr ein einfaches Geburtstagsessen, Kartoffeln, Rote Beete und Spiegeleier. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir verabredeten uns für vier Tage später auf dem Weg nach Amarillo, weil sie ihre Tochter in Albuquerque besuchen wollte.

Für mich war es ein richtig runder Tag. Später allein im Zimmer fiel mir der Spruch von Gregor Gysi ein: Ich bin wild entschlossen, das Alter zu geniessen. Ich weiß bloß nicht, wann es anfängt.

Vier Tage später klappte es wirklich mit dem Treffen. Ich hatte 50 Kilometer Richtung Westen zu bewältigen und war trotz Seitenwind aus Südwest zeitgleich in Groom.  Bis Amarillo wären es noch 75 Kilometer gewesen. Mehr aus Spaß fragte ich, (Moni fährt einen Mini Cooper) ob sie mich bis Amarillo mitnimmt. Sie nur: wenn alles reinpasst, warum nicht. Nun hatte ich 2015 in Norwegen zwei Fahrräder plus Gepäck in einen Toyota Yaris bekommen, warum nicht eins in einen Mini. Es klappte, also los. In Amarillo meinte sie, ich könne auch bis Albuquerque mitfahren, dann wäre ihr nicht langweilig. Im Vorbeifahren schaute ich mir den Einheitsbrei der Stadt an, und spontan sagte ich ja. (wer sich das Lied ”Ich will zurück nach Amarillo“ hat einfallen lassen, war bestimmt noch nicht hier. Ich kann ich nicht nachvollziehen)

Nach einem Stopp an der Cadillac Ranch ging es 200 Kilometer durch Texas. Warum schreibt eigentlich niemand, wie vermüllt es bei den Cadillacs ist? Hunderte gebrauchter Farbspraydosen liegen dort rum und werden vom Wind verteilt. Umweltverschmutzung pur................

Dann waren es noch 350 Kilometer durch New Mexico und ich kann sagen, es hat nicht weh getan. In Albuquerque hatte Moni schon eine Warmshower Übernachtung für mich. Rose hieß meine Gastgeberin, die beiden kennen sich schon lange. Ich durfte auch hier zwei Nächte bleiben, besser gings nicht. So hatte ich am nächsten Morgen Zeit, mich um mein Fahrrad zu kümmern. Nach 3.000 Kilometer war aber nur Kette reinigen und ölen angesagt. Nachmittags fuhr Rose mich in die Altstadt und lies mich allein, weil sie arbeiten musste.

Die Altstadt ist sehenswert. Es war wie immer heiß, sodass ich auch mal aus der Sonne mußte. Darum besuchte ich das Naturkunde-Museum, sehr interessant.
Weil ich keine Ahnung hatte, wann und wo ich wieder abgeholt werde, ging ich an frühen Abend in eine Microbrewery, bei Livemusik (leider war nur Salza angesagt) noch ein wenig entspannen. Der Bring- und Holservice klappte dann aber doch.

New Mexico war durch die Autofahrt noch nicht abgehakt. Drei Tagesetappen waren es noch durch weites, offenes Land mit wenigen Möglichkeiten zum Übernachten. Im Auto dachte ich, da kommst du nie durch. Doch ich merke immer wieder, dass mich die langsame Art des Radfahrens die Welt anders erleben lässt. Tagesetappen von 130 Kilometern sind trotz Hitze für mich machbar, auch wenn die Windverhältnisse nicht immer optimal sind. Und wenn ich nicht gut drauf
war, brummte ich Lindenbergs Song: ”.....und ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen. Ob grad oder schräg, das ist egal”, dann gings wieder.

Hier in Arizona ging es durch den Petrified Forest National Park, 50 Km fast allein. Da störte es nicht, das ich vorher 30 Km auf dem Interstate 40 fahren mußte. Die anderen Tage war es  ähnlich, die Route 66 ist hier teilweise verschwunden. Da kann ich nur auf dem I-40 fahren.

In Winslow mußte ich natürlich zur Corner. Die Eagles haben im Song “take it easy” diese Ecke verewigt. Und genauso "didn’t I forget Winona". Den Meteor Crater habe ich heute nicht besucht, weil die 100 Kilometer bis Flagstaff ganz schön anstrengend waren.70 Km bei Regen und Gegenwind auf dem Interstate 40. Dazu stetig bergauf von 4800 fuss auf 6800 fuss, das ganze bei nur 15. Grad. War ungewohnt, aber ich bin angekommen und nicht kaputt.

Da mir die Auswahl der Bilder schwer fiel, gibt es noch ne Mail nur mit Bildern.

Laßt es Euch gutgehen und danke an alle, die an mich denken.


Get your kicks 5 vom 02.10.2018

 

Hallo,

ich sitze in meinem Zimmer im Airport Hotel in Los Angeles und warte auf meinen Shuttleservice. Wenn alles klappt, hebt der Flieger heute am 2. Oktober um 16:55 ab.

Alles ist gutgegangen. Von Flagstaff bin ich nach Williams, Needles, Amboy, Twentynine Palms, Desert Hot Spring, Redlands, Pasadena und von dort die letzte Etappe ganz gemütlich zur Santa Monica Pier gefahren. Zugabe waren die 25 Kilometer über Venice Beach zum Airport Hotel.

4.660 Kilometer bin ich mit dem Rad gefahren, ohne einen Defekt, nicht mal einen platten Reifen. Mein Mechaniker hat diesmal gut gearbeitet. Es gab keine sindflutartigen Regenfälle, keine Tornados und auch keine Erdbeben. Waldbrände blieben mir auch erspart. Die letzen 1.000 Kilometer waren nicht die einfachsten. Nicht nur die Hitze, ab 11 Uhr gute 40°C, sondern jeden Tag zum Etappenende heftigen Gegenwind.

Aber erstmal war in Williams Entspannung angesagt. Mit dem Zug ging es zum Grand Canyon. Damit der Preis gerechtfertigt ist, gab es schon vor der Abfahrt eine “Westernshow“. Im Zug kam dann Countrymusik live, damit die Fahrt nicht so langweilig ist. Am Grand Canyon hatte ich 3,5 Stunden Aufenthalt.  Die Zeit reicht nicht, um den Bright Angel Trail zu gehen, hatte ich auch nicht vor. Aber für den Wanderweg an der Kante des Canyons reichte es locker.  Man schaut nicht nur über die Kante, sondern wird durch Infotafeln auf die Besonderheiten des Canyons hingewiesen. Auf der Rückfahrt wurde noch ein Raubüberfall inszeniert, und der
Countrysänger spielte noch das passende Lied für die Anwesenden: retired, original von Ray Stevens.

Die nächsten Tage waren nicht nur sehr anstrengend, sondern auch interessant. Seligman hat noch viel vom 66 Charme, ist aber auch sehr touristisch. Kingman war nur übernachten, nach 140 Kilometern war ich froh, mich im Hotelzimmer verkriechen zu können. Die nächste Etappe war dann kürzer, nur 115 Km, gefühlt aber länger. Ich war morgens früh los, weil es rauf zum Sitgraeves Pass ging, danach zur ehemaligen Goldgräber Stadt Oatman, wo heute Touristengeld abgegraben wird. Für mich der Platz, um mich zu erholen, bevor es runter nach Needles ging. Wenn der Gegenwind nicht gewesen wäre, kein Thema, doch ich war platt, als ich ankam.

Einen Tag Ruhe brauchte ich, bevor es in die Mojave Wüste nach Amboy ging. Mit 8 Liter Wasser im Gepäck und morgens mit dem ersten Licht los, denn 115 Kilometer waren zu bewältigen. Es war kein Verkehr, und die ersten 60 Km bis Fenner Gas Station liefen fast von allein. Dann ging es weiter über die 66, die für den Durchgangsverkehr gesperrt war. Ohne die Info eines Radlers, der mir morgens begegnet war, hätte ich den Interstate benutzt, was ein paar Kilometer mehr gewesen wäre. So aber ging es immer um die defekten Brücken rum, was für Radfahrer kein Problem ist.

In Amboy war ich schon um 16 Uhr, der letzte Reisebus mit Touristen fuhr gerade weg. Dachte ich, aber es kamen noch vier Busse. Man muss wissen, daß hier nichts ist als das renovierte Empfangsgebäude vom ehemaligen ROYS MOTEL und die Tankstelle, in der man 66 Souvenirs und Getränke kaufen kann. Keine Übernachtung, nichts. Radfahrer können in den runtergekommenen Häusern schlafen. Nichts mit Dusche oder fliesend Wasser, das gibt es nicht. Aber die Eisenbahn, die gab es wieder die
ganze Nacht gratis.

Es war aber ein interessanter und lustiger Abend, denn Lisa und Jepp, die beiden Serciceleute, waren gut drauf. Die gaben mir auch den Tip, direkt zum Joshua Tree Park zu fahren. Die 66 nach Barstow soll im miserablen Zustand sein und immer neben dem Interstate. Nach Twentynine Palms sind es “nur” 50 Meilen, einmal über den Berg. Ich fuhr direkt, es war aber nicht einfacher. Was auflockerte, das sind auch hier die Autofahrer, die mir wieder einmal kaltes Wasser reichten. Ich hatte
genug mit, aber kaltes schmeckt besser.

Von Twentynine Palms gings dann durch den Joshua Tree Park. Der Abstecher hat sich gelohnt, da vergisst man die Anstrengungen, wenn man die Landschaft sieht. Der Landschaftsgärtner hat sich Mühe gegeben. Der Nachmittag war dann wieder Kampf gegen den Wind. Damit es trotzdem Spaß macht, am Ende des Tages eine 5 km Abfahrt, auf der ich trotz Gegenwind mit über 50 km/h runter rauschte. Herrlich!! Und dann hatte ich auch noch ein Top Hotel und gutes Essen, was will man mehr.

Die Anstrengungen waren aber noch nicht zu Ende. Als ich sah, wieviele Windkraftanlagen es hier gibt,wußte ich, vorher der Wind weht, nämlich von Westen, wo ich hinwollte. Die Tagesetappe war zum Vergessen. Für die ersten 10 km brauchte ich über eine Stunde, obwohl die Strecke flach war. Dann muste ich für 10 km auf den verkehrsreichen Interstate 10, wieder über eine Stunde. Erst kurz vor Redlands konnte ich mich ein wenig erholen. Es ist schon erstaunlich, wieviele Neubaugebiete hier zwischen Beaumont und Redlands erschlossen werden. Und hier hat jeder die Absicht, eine Mauer zu bauen. Es ist noch kein Haus zu sehen, aber um die riesigen Gebiete sind schon ca 2 Meter hohe Mauern.

In Redlands hatte ich wieder eine Warm Showers Unterkunft. Das war richtig gut. Jeff, mein Gastgeber, konnte richtig gut kochen. Es kamen Freunde, denn samstags ist bei denen Videoabend.  Im Garten, mit Großleinwand, war mal snders. Dadurch war ich gut erholt für die letzten zwei Tage meiner Reise, die aber nichts Interessantes mehr brachten. Ich war zurück auf der Route 66, aber, wenn keine kleinen Schilder darauf hingewiesen hätten, ich hätte nichts mitbekommen. Wohngebiete, mal mehr, mal weniger schön, das wars.

Gestern hatte ich bis zum Santa Monica Pier nur 50 Kilometer, davon mußte ich die meiste Zeit doch sehr aufmerksam sein, damit ich die Autofahrer nicht verunsichere. Es ging durch Hollywood, Beverly Hills und dann den Broadway rumter zur Pier. Es war ein gutes Gefühl, nach 61 Tagen, 51 davon auf dem Rad und über viereinhalbtausend Kilometern Strecke, hier zu stehen. Und dann noch allein unter dem Schild. Hätte ich bei dem Gewusel nicht erwartet.

Als Bonus waren die letzten Kilomer zum Airport sehr entspannt, immer am Wasser entlang und am Schluß auf Radwegen zum Hotel. Dort machte ich erst einmal mein Gepäck reisefertig. Dann muste ich auch noch ein paar Bilder aussuchen, bevor ich für einen Rückblick die Bar aufsuchte. Und ich habe festgestellt, daß auch diese Tour mal wieder richtig gut war. Ich wußte immer, wo ich hinwollte, aber nie, wie der Ablauf sein wird. Ich hatte Bilder im Kopf, aber nicht immer die richtigen. Und ich hatte es nie eilig.

Ach ja, ich habe sie gesehen, die Harleyfahrer, die nach 300 Kilometern auf der Route 66 erschöpft ihre Koffer aus dem Begleitfahtzeug zur Rezeption schleppten. Der Typus Dennis Hopper oder Peter Fonda war nicht dabei. Es waren eher Couchpotatos und/oder 55+. Die wahren easy rider sind doch die Radfahrer.

Nun fragt Ihr bestimmt, es muss doch auch was Schlechtes gegeben haben. Das hat es, es war mein Schlaf. Gut geschlafen habe ich fast nie, weil die Geräuschkulisse immer da war, sei es die Bahn oder Hotelgäste, die schon morgens um vier im Flur laute Gespräche führten. Dann hatte ich wohl vergessen, meine innere Uhr auf amerikanische Zeit umzustellen. Trotzdem war ich immer überrascht, dass meine Tagesform so gut war.

So, und damit verabschiede ich mich erst einmal wieder. Vielleicht gibt es ja eim nächstes Mal.

Heinz

John F. Kennedy soll mal gesagt haben: Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren


Normalerweise posten wir hier Berichte die mit Swing und Lindy Hop zu tun haben.

Das ist heute ganz anders. An dieser Stelle möchten wir Euch etwas ganz besonderes vorstellen.

 

Die USA-Radtour von Heinz Dannath 2016 !

 

Heinz ist vielen von Euch ja sicher als Kieler Swingtänzer bekannt. Heinz ist aber auch begeisterter Radfahrer und ist gerade wieder auf einer besonderen Radreise, von der er uns einen ersten Tourbericht gesendet hat.

 

1. Tourbericht vom 23.07.2016

 

Hallo zusammen,


Ich schreibe wieder E-mails, also bin ich wieder mal auf Tour, schon seit vier Wochen. Und im Moment nicht allein, sondern mit meiner Frau. Sie war der Anstoß für diese Tour. Im letztem Jahr hatten wir auf einer geführten Italienradtour auch Amerikaner kennengelernt. Eric und Diane, Gary und Marilyn aus Akron, Ohio und Cecilia aus New York. Weil wir uns gut verstanden haben und eingeladen wurden, kam von Gaby ein toller Vorschlag: zusammen von New York nach Akron und wenn ich wollte, könnte ich weiterfahren.


Natürlich wollte ich, aber dann ohne Zeitdruck. Also mußte ein Visum für die USA her. Es war doch nicht so schwierig wie vorher angenommen. Nur dass ich 150€ bezahlen mußte, ohne zu wissen, ob ich es bekomme, fand ich merkwürdig. Nachdem ich in der US Botschaft in Berlin war und  ohne Pass wieder nach Hause fuhr, konnte ich davon ausgehen, daß ich ein Visum bekomme. 5 Tage später hatte ich meinen Pass mit Visum wieder, mit dem Hinweis, das der Immigrationofficer am Airport entscheidet, wie lange ich bleiben darf. Da kam Freude auf. Geflogen sind wir am 26. Juni mit British Airways von Hamburg. Die Fahrradmitnahme war günstig und einfach. Lenker quer, Pedale ab, in eine Tasche packen, 70 € bezahlen, fertig.
Überhaupt war die Anreise stressfreier als gedacht. Eine Bahnfahrt von Kiel nach Dresden kann stressiger sein. Die Einreise am Newark Airport war dann doch ohne Probleme. Als der Officer hörte, was ich vorhabe, schüttelte er den Kopf und setzte seinen Stempel mit Aufenthaltsdauer in den Pass. Bis zum 25. Dezember. Super, nun war alles zu meiner Zufriedenheit.

Vier Tage blieben wir in New York, richtiger Jersey City auf der anderen Seite des Hudson Rivers. Kann ich nur empfehlen. Man kommt schnell mit dem Pathtrain entweder zum Freedomtower oder zum Empire State Building. Abends, wenn man zurück ist aus dem lauten Manhattan macht man noch einen Spaziergang mit Blick auf die Skyline auf der Uferpromenade vom Hudson, besser geht nicht. New York hat viele Highlights und es ist müßig, alle zu beschreiben. Highlight für uns war das Wiedersehen mit Cecilia und für mich Swingdance auf Pier 45 und im Damruschpark. Es war in dieser Zeit nicht langweilig.

Am 1.July ging es dann los und nun, seit dem 20. Juli, nach 1300 Kilometern, sind wir in Richfield, ist keine Ortschaft wie bei uns, und haben hier  noch schöne Tage gehabt. Was hatte ich mir 'n Kopf gemacht, wie wir am besten aus der City mit wenig Autoverkehr raus kommen. Ich hatte die Bikeroute Nr 9 rausgesucht, aber keine Ahnung, wie die verläuft. Aber das Radwegenetz im Staate New York ist so gut ausgeschildert,  daß es überraschend einfach war, von New Jersey weg zu kommen. Auch wenn es keine Radwege sind, sondern nur der Seitenstreifen vom Highway, war es ein ruhiges Fahren, weil der Hauptverkehr auf dem Interstate ist. Störend war die Hitze. Jeden Morgen 22 *, ab 11 Uhr 30* bis 32*. Gaby hatte damit große Probleme. Bis auf die ersten 20 km gab es bis Albany genug Steigungen, mit denen sie zu kämpfen hatte. Ich half, so gut ich konnte ( schob ihr Rad,  fuhr mein Rad, bis wir oben waren) und passte die Tagesetappen an. Congers, Poughkeepsie, Hudson, Albany. Meine Probleme mit der Hitze waren anderer Art. Ich schlief sehr schlecht und da half auch kein gute-Nacht-Bier. Weil wir früh unterwegs waren, fuhren wir an Hyde Park,  dem Geburtsort von Franklin Roosevelt, vorbei. Aber das ist häufig so, entweder man ist zu früh, oder man kommt zu spät. Am 4. Juli, Independenceday, waren wir in Albany und konnten miterleben, wie stolz Menschen sind, wenn sie US Bürger werden. Auf dem Empire State Plaza im Regierungsviertel wurde bei jedem applaudiert,  der die Staatsbürgerschaft bekam. Abends, nach guter Livemusik,  Feuerwerk vom feinsten. 40 Minuten Boden- und Hoehenfeuerwerk,. Die Begleitmusik war manchmal nicht zu hören, weil die Böller so laut waren, grandios.

Von Albany ging es weiter auf der Bikeroute 5 Richtung Westen nach Niagara Falls. Auf der Strecke gibt es den New York Barke Canal, 1918 eröffnet, ist aber nur noch Freizeitrevier. Aelter ist der Eriecanal, 1825 eröffnet, heute mit gutem Radweg. Keiner wollte ihm, Bruce Springsteen besang ihn, aber dann wurde er jedermanns Liebling, trug er doch wesentlich zur schnelleren Erschließung des mittleren Westens bei. Der Eriecanalway ist sehr gut ausgeschildert,  ausweichen muss man nur, wenn Baueme auf dem  Weg liegen.Auf den ersten Kilometern  wußten wir manchmal nicht, warum er Eriecanalway heißt, bis wir merkten, daß der Sumpf neben uns der ehemalige Kanal ist. Damit es nicht  langweilig wurde auf der flachen Strecke, machten wir einen Zweitägigen Abstecher zu den nördlichen Ufern der Fingerlakes. Fand Gaby gar nicht lustig, weil nun wieder Hügel und Hitze zusammen kamen. Ich weiß, euer Sommer in S-H ist nicht so prickelnd, aber auch wir hatten am 10. Juli einen Temperatursturz.  Morgens nur 18* und Nieselregen, nachmittags bewölkt, 24*, wir wußten gar nicht, was wir anziehen sollten. Gott sei Dank nur ein Tag, Gaby meinte, es hätte länger sein können. Also zurück zum Eriecanal.

Auf dem Kanalweg  von Brockport nach Lockport sahen wir,  daß er doch sehr beliebt ist. Es war Tag zwei des Eriecanalrides und es kamen uns mehr als 700 Radler entgegen. Die Zahl weiß ich, weil wir an einem Verpflegungspunkt in Albion absteigen mußten und einer der Organisatoren mir alles erklärte. Die findet seit 18 Jahren statt und startet in Buffallo.  Für die ca 600 km nach Albany sind acht Tage geplant. Natürlich dürften wir auch zugreifen und Kaffee trinken, nur ein T-Shirt mit dem Aufdruck " I ride the Eriecanal bekam Gaby nicht. Wenn Sie im nächsten Jahr mitmacht, würde sie eins bekommen. Es war der ereignisreichste Tag.  Nicht nur das Ehepaar, daß mit einem Tandem von Boston nach Oregon will, trafen wir wieder. Auch einen Amerikaner, der von North Dakota kommend zum Atlantik will. Der coolste war der 68. jährige Schwede, der seit San Francisco  jeden Tag 50 km läuft, nicht spaziert . Mit einem Buggy vorweg geht's nach Boston. Hut ab. In Niagara Falls blieben wir zwei Tage, um das touristische Programm abzuarbeiten. Hatten bei der Ankunft 34* und brauchten ein kühles Zimmer, um uns abzukühlen.

War die Tour bisher abwechslungsreich, so wurden wir auch die letzten 5 Tage nicht enttäuscht. Vorbei an Weinstockfeldern, Weinberge ist nicht der richtige Ausdruck, ging entlang des Erielakes erstmal nach Chardon. Dort wurden wir schon erwartet.  Eric und Diane waren uns mit dem Auto entgegen gekommen, damit Eric mit uns die letzten 100 Kilometer fahren konnte. Mit uns,  nein, mit mir. Als das Angebot kam, Gaby soll mit Diane nach Richfield fahren, leuchten ihre Augen vor Freude.  Endlich hatte der Kampf mit der Hitze ein Ende. Ihr Rad und unser Gepäck wurden verladen und tschüss. Wir machte dann noch 20 km und übernachteten bei einem Freund von Eric. Am nächsten Tag dann die letzten 80 Kilometer durch recht hügelige Landschaft mit 8- 10% Steigungen. Das war Training für die Richfield Sweetcorn Challenge am Sonntag. Mit 750 anderen Radlern geht es auf die 50 Meilenstrecke.


Seit Mittwoch heißt es für uns, die restlichen Tage genießen. Trotz aller Widrigkeiten war es für uns eine schöne, abwechslungsreiche Tour. Wir fuhren auf sehr hügeligen Strassen an Flüssen und Seen, auf flachen Strecken entlang der Kanäle.  Auch durch Orte mit europäischen Namen wie Amsterdam, Geneva, Hamburg, Rome.   Große Namen mit überwiegend kleinen, hübsch  hässlichen Häusern. Wenn auch die Orte nicht immer Charme hatten, so waren es die Frühstücklokale, die diesen hatten. Ungewohnt, aber toll fand ich die Herzlichkeit, die man uns empfangen hat. Sei es eine Einladung zum Tee, oder die Übernachtung in einem Haus am See. Als die ausgesprochen wurde, dachte ich, es wäre ein Joke. War aber ernst gemeint. Oder das Glück haben, telefonisch ein Mitglied der Familie Eric Schulz zu Sein. Meine T-mobile Prepaidkarte, die ich in Jersey City gekauft hatte, war ein Reinfall. Das zu erzählen, ist zu lang. So waren wir Mittwoch vor Ort bei T-mobile und für 25$ im Monat habe ich volles Familienprogramm.

So, daß solls fürs erste gewesen sein. Ein bißchen lang, wird aber wieder weniger, wenn ich alleine bin. Am Montag fliegt Gaby nach Hause.

Ich werde meine Tour  am Dienstag Richtung Westen fortsetzen. Wohin die Reise genau geht, weiß ich noch nicht. Der Weg ist noch lang und ich habe Zeit. Werde mich hin und wieder mal melden.
Grüßt alle, von denen ich keine Mailadresse habe.
Schöne Tage bei der Arbeit oder was immer ihr macht.

Alles Gute, Heinz

 

2. Tourbericht vom 14.08.2016

 

Hi,Hi,
habe nicht das Gefühl, schon  drei Wochen allein unterwegs zu sein.  Aber da sich die Tour abwechslungsreich gestaltet, kann ich euch mal wieder informieren.
Am Sonntag, 24. Juli,  machte ich mit Eric den 50 Meilen Sweetcornride mit. Wie sich später herausstellte, waren es nur 40 Meilen. Er hatte es geschaft, die Strecke zu kürzen. War aber gut so, denn die letzten 3 Kilometer fuhren wir mit Blitz und Donner und Starkregen ins Ziel.  Zielphoto machten wir in einer Regenpause mit Frauen. Montag hieß es dann Abschied nehmen von Gaby. Ich nahm Dienstag Abschied von Eric und Diane.
Die ersten Tage allein waren schon komisch. Hatte niemanden mehr, den ich vorschicken konnte, niemanden zum Zoffen , niemanden zum kuscheln, aber auch niemanden, auf den ich Rücksicht nehmen mußte. Konnte also richtig Gas geben. Klappte nicht immer. Wenn mich auch alle verlassen haben, die Hitze blieb. Seit nunmehr 50 Tagen Sonne satt. Gut, dreimal hatte ich kräftige Gewitterschauer und die letzten Tage sind ein wenig kühler, nur noch 27° C. Was ich auch nicht wußte, daß ich noch viele Sweetcornrides haben würde. Mit Ausnahme der 100 Kilometer am Lake Michigan und der 200 km am Mississippi und den 150 km auf dem Wobegontrail sah ich fast nur Maisfelder. Manchmal auch Sojabohnen. Gab es in Ohio, Michigan und Minnesota kilometerlange Trails, auf denen man fast allein war,  so waren es Wisconsin zur Abwechslung die vielen Hügel mit kurzen 8%-10%, Steigungen. So schaute man nicht nur gegen eine grüne Wand,  sondern ich sah die Maisfelder mal aus einer anderen Perspektive. Dann waren da die Truthahngeier, die mal am Strand oder an der Straße rumlungerten. Nicht meinetwegen, ich war noch zu frisch. Es gab genug anderes zu fressen. Denn wieder einmal pflasterten Leichen meinen Weg. Ich sah aber auch lebende Tiere. Murmeltiere oder später am Mississippi in der Nähe von Wabasha Weißkopfadler. Dort gibt es noch eine sehr große Population. Die hatten aber keine Lust, für mich zu Posen. Die Schlange konnte nicht so schnell weg.

Manchmal hatte ich das Gefühl,  daß auf dem Gepäckträger mehr als nur mein Zelt war. Nach fünf Tagen wußte ich es.  Es war mein Glücksschwein. Auf dem Trail von Gobles nach South Haven, fünf Kilometer vor dem Ziel, zerriss es den ""guten"" Schwalbe Tour plus, gerade mal 2000 km alt. Der andere war kurz davor. Ich hatte gerade begonnen, die Reifen so herzurichten, das ich weiter konnte, da wurde ich angesprochen,  ob ich Hilfe brauche. Die Frau quaschte nicht nur, sondern gab mir genaue Infos,  wo im Ort ich hin zu gehen habe. Sie redete und schrieb einiges auf, dann war sie weg. Ich dann ganz langsam nach South Haven und ihrer Wegbeschreibung gefolgt. Bikeshop gefunden und er hatte noch auf, obwohl es Samstag Fünf Uhr. Zufällig hatte er noch zwei Reifen, und ich konnte sie auch gleich aufziehen. Schwein gehabt. Dann hatte sie mir noch aufgeschrieben, an wen ich mich wenden muß,  um ein Zimmer zu bekommen,  Camping war nicht. Es war eine Deutsche, Constencia, die mit ihrem Mann das Su Casa, ein mexikanisches Restaurant, betreibt.  Sie half mir,  ein Zimmer zu finden, denn es war Wochenende.  Wieder Schwein gehabt. Als ich Constancia später den Zettel zeigte, sagte sie: das war Kate, die kennen wir.

Michigan verließ ich von Muskegon mit der Fähre nach Milwaukie,  um quer durch Wisconsin zum Mississippi zu kommen. Bevor ich der Bikeroute "nothern tier" von Adventure cyclist folgte, machte ich noch einen Abstecher nach Minneapolis. Ich hatte unserer Freundin Ingrid versprochen, einen weitläufigen Verwandten zu besuchen. Ich war erstaunt,  wie gut man als Radfahrer in diesem Ballungsgebiet fahren kann. Denn man nennt es hier Twincity, weil die Städte St. Paul und Minneapolis zusammengewachsen sind. Nach dem Besuch gönnte ich mir einen Tag Pause. Ich hatte gelesen, was man sich anschauen sollte, doch ohne Auto geht hier gar nichts, und das Rad sollte mal einen Tag stehen bleiben. Bin mit dem Bus zur Innenstadt, war aber auch nicht so interessant.

Übernachtungstechnisch bin ich zum Warmduscher geworden. Denn mein Zelt habe ich noch gar nicht so oft gebraucht. Häufig waren keine Campingplätze in der Nähe. Der eigentliche Grund war Marilyn,  die andere Urlaubsbekanntschaft aus Italien. Sie hat mich gedrängt,  Mitglied bei Warm Shower zu werden. Fahrradbegeisterte bieten Radfahrern Dusche, Bett oder einen Zeltplatz im Garten an. So komme ich besser in Kontakt mit Amerikaner. Ich war ja skeptisch,  aber es funktioniert bis auf die Wochenenden gut. Die Unterkünfte  können nicht unterschiedlicher sein. Vom alternativen Bauernhof bis richtig elegant. Auf der Farm machte man mich darauf aufmerksam, daß nachts schon mal Fledermäuse auf dem Bett landen. Ich soll sie dann nur aus dem Fenster lassen. Zum Glück hatte ich nicht das Vergnügen. In Delafield zeigte mir mein Gastgeber seine alten Fahrräder, ab 1930. Alle selbst restauriert. Nicht zu vergessen das Adventure cyclist Bunkhouse in Dalbo, direkt am Northern Tier. Ein Farmer hat vor 11 Jahren angefangen, eine Scheune für Radfahrer herzurichten. Man kann Pizza machen, es ist alles da. Für Cola und andere Kleinigkeiten muß man ein wenig bezahlen, das meiste ist umsonst. Mit mir waren noch sechs weitere Radfahrer da, auf dem Weg nach Boston. Vom Farmer erhielt ich den Tip, den Wobegontrail zu fahren. Man bekommt nicht nur nützliche Infos, man bekommt auch alte Fahrräder zu sehen. Alles umsonst, auch die Mahlzeiten kosten nichts. Man kann sich aber nicht zurück ziehen, Smalltalk muß auch sein. Es ist für mich nur sehr anstrengend, mich auf Englisch länger zu unterhalten. Bin dann froh,  mal wieder allein zu sein.

So habe ich in den 19 Tagen ca. 2000 km zurück gelegt. Auch wenn es ein wenig zu viel Sweetcorn war, so habe  ich immer noch Lust,  weiter zu machen. Viele Radler habe ich bis jetzt nicht gesehen. Aber die ich sah, zeigten mir, daß das, was ich mache, nicht das Verkehrteste ist. Also fahre ich weiter Richtung Westen. Habe mich entschlossen, bis zum Pazifik zu fahren, links abbiegen, um dann an der Küste nach Weißnochnichtwohin zu gehen.
Auf Google Map könnt ihr, wenn ihr meinen Weg verfolgen wollt, folgende Orte eingeben.
26. Juli _Rugglebeach,  27._Perrysburg, 28._Camden,  29._Three Rivers, 30._ South Haven,  31. _Muskegon,  1. August _Delafield, 2._Madison, 3._Sauk City, 4._Viroqua,  5._ Minona, 6. _Redwing, 7.und 8._Minneapolis, 9._St. Croix Falls, 10._Dalbo, 11._Melrose, 12._Fergus Fall,  13.und 14._Moorhead.

 Heute habe ich frei,  damit ich diese Zeilen in Ruhe schreiben kann.
Ich wünsche allen weiterhin viel Spaß bei dem, was Ihr gerade macht.
 Bis zum nächsten Mal

 

3. Tourbericht vom 06.09.2016

 

Hallo,
da bin ich wieder. Heute aus Missoula mit dem Wetterbericht der letzten drei Wochen. Es wurde wechselhaft, aber immer noch Sonne satt von warm bis heiß. Morgens ist es mit 13°C schon kühler. Der Wind kam aus wechselhaften Richtungen, überwiegend normal.An zwei Tagen waren es dann doch 9m/s. Bis Missoula bin ich also auf einer hochsommerlichen Welle gesurft. Nun ist es insgesamt etwas kühler geworden, aber nicht unangenehm.

 

Meine Tagesetappen seit Fargo: 15.08,_Little Yellowstone, 16._Gackle, 17._Napoléon, 18._Bismarck, 19._New Salem, 20._Dickinson, 21./22.-Medora,  23._ Glendive,  24._Circle, 25._ Wolf Point,  26._ Glasgow, 27._ Malta, 28._ Havre,  29._Galata, 30._Cutbank, 31._East Glacier Park Village, 1.Sept /2._ Kalispell, 3._Polson,  4./5._Missoula.

Fargo verließ ich am 15. August und wieder liegen 2000 Kilometer hinter mir. Nicht, daß ich mich abhetze, aber in den Orten gibt es nichts. Außerdem sitze ich sehr bequem auf meinem Sattel und kann, wenn ich mich gut fühle, auch sehr lange Strecken fahren. Die ersten ca 300 km waren wahnsinnig abwechslungsreich. Im Lonely Planet wird North Dakota als eine großartige Trostlosigkeit beschrieben. Wenn man die Mais- und Sonnenblumenfelder so sieht, trifft es schon zu. Da hilft nur das Kopfradio an und Udo Lindenberg hören ; hinter dem Horizont geht's weiter, ein neuer Tag.

Die Northern Tier Route geht von Fargo erst 28 km nach Süden und dann auf dem Highway 46 nur gerade aus. Aber auch rauf und runter. Eric würde sagen, die Strecke ist undulate, manchmal auch very undulate. In drei Tagen mußte ich nur dreimal abbiegen. Die Tagesetappen ergaben sich nach den Übernachtungsmöglichkeiten, Little Yellowstone 112 Km, Gackle 98 Km, Napoléon 63 Km und ab dem 4. Tag wieder mit reichlich Kurven 116 Km bis Bismarck. Gackle mit dem Honey Hut war auf dieser Strecke wieder eine Oase für Radfahrer. Der ortsansässige Imker bietet am und im Haus freie Unterkunft an, Waschmaschine,  Dusche,  alles da. Das schöne am Warm Shower ist nicht, daß es umsonst ist, sondern die Leute freuen sich wirklich über den Besuch.

Von Sonne und Wind verwöhnt, schaffte ich es an meinem ersten Regentag(13°C, Gegenwind) nur von Bismarck nach New Salem, aber das war gut so. Denn am nächsten Tag hatte ich über 20 Km Gravelroad, bei Regen wäre es nicht so schön. Es waren trotz Gravel mit die schönsten, weil ich früh los war und die Sonne die Prairie richtig ausleuchtete. Und wenn man allein ist, hört man nur das Knistern der Reifen.  Wenn man allein ist. Man vergisst schnell, das die Gleise,  die man sieht, nicht nur so rumliegen. Die Strecken sind gut befahren. Fast stündlich ziehen Dieselloks mit gut hundert Waggons an einem vorbei. Mal nah, mal fern. Das Dröhnen ist weit zu hören.  Nervig sind die Signalhörner,  die bei jedem noch so kleinem Übergang betätigt wurden. Da ist nichts mehr mit Stille. So ging es weiter Richtung Westen, teils auch durch die Badlands, nach Medora und zum Theodore Roosevelt Np. Man findet immer wieder Historic Points, die einem erklären, wer mal 'ne Duftmarke gesetzt hat,  oder wie es früher war. Es war mal Buffallo County, heute sieht man nur noch Hornlose Rinder. Um Büffel zu sehen, fährt man in den Roosevelt Park oder kurz vor Missoula zur Bisonrange.

Nun ist es nicht so, daß jeder Tag optimal läuft und ich mir die Kilometer nur so aus den Beinen schüttel. Wie schon geschrieben, zwei Tage, nach Glendive und nach Circle, hatte ich kräftigen Gegenwind. Da hilft nur, Lenker fester packen, Blick vors Vorderrad und durch. In der Ferne brauchte ich mir keinen Punkt suchen, der kam eh nicht näher. Zwischendurch mal wegbeamen und nochmal eure E-mails lesen, vielen Dank und auch für die aufmunternden Worte. Hilft beim Überbrücken solcher Strecken (75 Km in 10 Stunden,  davon 50 km bergauf). Durch den starken Gegenwind kam ich schon auf die Idee, die Stecke mit Amtrak abzukürzen.  Klappte aber nicht, weil der Zug Richtung Seattle angeblich keine Fahrräder mitnimmt. Da alles telefonisch ablief, habe ich verzichtet. Aber wenn man dann Rueckenwind hat und es  gut läuft, ist sowieso alles wieder vergessen. Da fiel mir auch wieder der Spruch ein "mögen die Steigungen sanft und der Wind mit dir sein". Kein alter Indianerspruch. Das sagte ein älterer Herr zu mir, als wir uns in der Hotellobby in Dickinson unterhielten. Auch er ist vor 25 Jahren mal die Strecke gefahren.


Ausserdem  lernte ich so auch noch Stephano aus Concord,nahe San Francisco,kennen, der von Bar Harbour kommend nach Seattle will. Seine Route geht aber noch nach Kanada zum Watertonpark und dann über den Loganpass. Den habe ich mir verkniffen, weil das Wetter wechselte und ich ihn noch gut von 2011 in Erinnerung habe. So war es nur eine gemeinsame Tagesetappe. Ich fuhr den Mariaspass nach Westglacier und weiter nach Kalispell. Mein Glücksschwein hat dafür gesorgt, daß ich dort einen luxuriösen Warm Shower mit ganz netten Gastgebern bekam. Dort konnte ich zwei Nächte bleiben. Es regnete am Freitag und sie meinten, ich solle mal relaxen und Fahrradpflege machen, was ich auch gerne annahm. Samstag,  Sonntag war wieder schön und es brachte Spaß, hier nach Missoula zu fahren. Heute, am 5. September, ist Laborday und ich habe, wie die meisten hier, frei genommen.  Darum habe ich auch Zeit,  die E-mail zu schreiben und Bilder auszusuchen.


Ich hoffe, meine Zeilen langweilen euch nicht, aber es passiert ja nicht viel. Ab und zu mal eine Attacke, meistens Lärmattacken von Zügen, Autos und Motorrädern. Nur einmal war es ernster. Es war ein Habicht.  Ich dachte, er will nur spielen. Als ich meinte, er wäre weg, flog er mich von hinten an. Mir war, als schlägt mir eine Faust gegen den Helm, so heftig war der Aufprall. Muss für den Vogel auch hart gewesen sein, denn danach hatte ich Ruhe.

Wie geht es jetzt weiter. Ich werde morgen noch zu Adventure Cycling gehen, die ihr Hauptquartier hier haben und noch Karten und anderes kaufen. Dann geht es in Richtung Portland und nach Astoria. Von dort sind es nur noch ein paar Meter zum Pazifik. Wenn alles so weitergeht, fahre ich den Highway 101 nach San Francisco.

Ich melde mich aber wieder und berichte.
Bis bald, Heinz

 

4. Tourbericht vom 19.09.2016

 

Hurra, hurra,
nach 6400 Kilometern habe ich den Pazifik erreicht. Heute ist nicht das Ende der Reise, aber von Küste zu Küste ist geschafft. Bin von Missoula dem Lewis & Clark Trail gefolgt. Die Beiden machten 1804 -1806 die erste Überlandexpedition und erkundeten für Präsident Jefferson diese nordwestliche Ecke der USA. Von Missoula fuhr ich 1200 km bis Seaside, 06.09. Lochsalodge,_7. Kamiah,_8. Clarkston,_9. Dayton, _10. Umatilla, _11. Briggs, _12. Cascade Locks, _13.-16. Portland, _17.Clatskanie,_18. Seaside

6. September, Beartoothpass am Yellowstonepark wegen Schnee und Eis gesperrt und in Missoula grauer Himmel, 8 Grad. Und ab Mittag auf dem Weg zum Lolopass auch noch Dauerregen. Kein guter Start und doch wurden diese 1200 Kilometer die Abwechslungsreichsten meiner bisherigen Tour. Zum Glück hatte ich eine Nacht in der Lochsalodge gebucht. So waren die Sachen am nächsten Morgen wieder trocken. Doch nicht nur ich, auch andere Radfahrer und Motorradfahrer hatten diese Idee. Ins Gespräch mit einem der Radfahrer kam ich erst am nächsten Morgen.  Abends war ich nicht als Radler zu erkennen und ich wollte mich auch nicht in die  Gruppe von jungen Leuten reindrengeln. Alle waren in Virginia gestartet und waren die letzten Tage gemeinsam unterwegs.
Wie schon geschrieben,  die Strecke ist wirklich reizvoll. Ich gebe normal keine Empfehlung, aber solltet ihr mal in dieser Ecke der USA sein, dann fahrt mal von Missoula den Highway 93, Hw 12, Hw 730, Hw 14 und Highway 30 nach Astoria. Hier ist alles, was man für einen schönen Urlaub braucht. Tolle Aussichten - gut, die Harfespielerin wird nicht immer da sein. Winerys mit Gelegenheit zur Weinprobe und  Orte mit einer Mainstreet, an der es richtige Restaurants, Microbrewerys und Cafés gibt. Nicht nur uniforme Gewerbegebiete. In Walla Walla war die Mainstreet, fast ein Kilometer lang, wegen einer Carshow gesperrt. Auch wenn ich nicht der Autonarr bin, aber die Schmuckstücke mußte ich mir anschauen. Auf dieser Strecke machte ich auch noch Bekanntschaft mit Joe, einem Musiklehrer aus London. Das kuriose war, das wir seit Missoula auf der Straße waren und manchmal auch am selben Tag im gleichem Hotel waren. In der Lochsalodge war er einer von den anderen Bikern. Erst in The Dalles trafen wir uns, fuhren aber nicht lang gemeinsam. Als es hoch zum Columbiariver Gorge Aussichtspunkt ging, hieß es wieder mal Tschüss. Er wollte Gas geben und die 160 km bis Portland fahren und da konnte ich nicht mithalten. Aber wir verabredeten uns auf ein Bier in Portland. Klappte auch und er wäre auch mit zum Tanzen gekommen, aber die Zeit reichte nicht. Sein Rückflug war Samstag morgen und er mußte noch packen.

Da ich nicht auf der Flucht bin und auch kein Zeitlimit habe, blieb ich ein paar Tage in Portland. Eine Stadt, die man zu Fuß erkunden kann. Habe mal was ganz anderes gemacht. Ein Konzert besucht. Eigentlich wollte ich zu Black Sabbath, hatte auch jemanden kennengelernt, der mich vom Motel abgeholt hätte. War mir aber doch zu stressig, weil es außerhalb Portlands war. So besuchte ich ein Led Zeppelin Konzert gleich um die Ecke. Nicht das Original,  aber "GET THE LED OUT" waren hervorragend. Dann mal wieder einen Bowlingball in die Hand genommen und auch gespielt.  Aber mit einem 16. und Bahnschuhen war das nichts. Weil ich auch gerne tanze und am Wochenende Bridgetown Swing war, blieb ich doch länger. So hatte ich Gelegenheit, für umsonst zweieinhalb Stunden  Westcoast Swing Basic mitzumachen. Mittwoch hatte ich schon eineinhalb Stunden. War nicht  schlecht, aber so lasziv kann ich auch mit Ballettstunden nicht mehr werden. Schaut euch mal ein Video mit John Lindo an. Die Veranstaltung  mit den Wettbewerben war aber erste Sahne. Aber für mich war dieses Kennenlernen genug. Darum fuhr ich Samstag weiter nach Clatskanie in ein Bike Inn und heute den Lewis &Clark Trail bis Seaside.

Und da stand ich nun auf der Promenade und war glücklich. Keine Pannen, keine Maleschen und gesund geblieben. Gut, morgens, wenn ich losfuhr, fühlte ich mich manchmal wie Achtzig, abends aber dann wieder wie ein Fünfzigjähriger. Aber es war wieder super. Was mich immer wieder erstaunte, war die Lockerheit und die Hilfsbereitschaft der Leute. Der Kontakt war immer unterschiedlich. Oftmals nur zwischen Tür und Angel, aber immer interessant. Heute morgen war es eine Autofahrern,die mich ausfragte. Als ich ihr erzählte,  daß ich noch nach San Francisco will, schrieb sie gleich eine Pension auf. Das ist es, man bekommt auch immer wieder Tips. Nun ist es auch nicht wie bei der Tour de France, ich komme um die Ecke und die Leute jubeln mir zu. Sie nehmen schon Notiz von mir, sagen ein paar anerkennend Worte, lassen mich dann aber in Ruhe, so auch hier in Seaside. Muss mich nur ab und zu fotografieren lassen. Heute beende ich mein Cross Amerika Tour und ich fand ein Gedicht in einer Adventure Cycling Map, welches, wie ich finde, passend ist:


         Evolution of a Trail
This road is winding,  crooked and rough,
But you can make it, if you are tough.
God help your tires, god help your load,
God bless the men who built this road.

Morgen bin ich dann auf dem Pacific coast Highway, und so wie es aussieht, werde ich auf dieser Strecke noch einigen anderen Bikern begegnen. Ersten Kontakt hatte ich schon in Astoria. Gleich gehe ich noch zum Strand, geniesse ein Glas Rotwein und den Sonnenuntergang.

Ich wünsche allen viel Gesundheit und werde mich das nächste Mal, wenn alles gut geht, aus San Francisco melden.
Tschüss von Heinz

 

V. und letzter Tourbericht vom 04-10-2016

 

Hallo,
es war Montag, der 3. Oktober, ich habe fertig.

Am  Montag habe ich meine Tour auf dem Donauradwanderweg für Fortgeschrittene in San Francisco beendet. Aber nicht, weil ich kein Sitzfleisch mehr habe. Zwischen der Lederhaut meines Sattels und der meines Hintern war immer ein gutes Polster einer Radhose. Aber wie heißt es immer wieder, wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Wenn man so wie ich den Pacific Coast Highway schon zweimal gefahren ist, muß man erst einmal die Schublade mit "damals war alles anders" fest verschließen. Auch hier ist die Zeit nicht stehengeblieben,  denn durch den Tourismus leben hier heute mehr Menschen. Der Verkehr ist in der Nachsaison nicht ohne. Wohnwagengespanne,  Rvs (rv = recreational vehicle) und die Langholz LKWs sind immer unterwegs. Viele Ortschaften haben sich verändert, haben aber noch einen sehenswerten Kern.

Das, was sich nicht verändert hat, ist der Highway. Teilweise ausgebaut, ist er doch überwiegend eng,  der Seitenstreifen ist auch nicht immer sehr breit. Hatte vergessen, daß es fast immer rauf und runter geht, ein richtiger Rollercoaster. Es ist die Küste, wenn auch nicht nur einsam, die immer noch fasziniert. Durch die Hiker Biker Plaetze  ist es die ideale Strecke für Radfahrer. Hier trifft man alle, die Kurzzeiturlauber genauso wie die Weltenbummler. Ich habe die 14 Tage richtig genossen, wohl auch, weil ich nette Leute getroffen habe, mit denen ich ein paar Tage zusammen war. Mike aus Californien,  Steve aus Indiana und François, Deutschfranzose mit Wohnsitz in Lübeck. Allein campen ist auch schön, aber hier wird pünktlich halb acht das Licht ausgemacht. Und weil es kühl ist, verkriechen sich alle in ihre Zelte. So saßen wir doch etwas länger und genossen, wenn möglich, den Sternenhimmel. Es waren schöne Tage mit Mike, Steve und François, wir haben aber auch die gefährlichste Situation zusammen erlebt am letzten Tag in Oregon. Mike, der mit Abstand hinter mir fuhr, sah, wie ein Pickup direkt auf mich zusteuerte, obwohl wir drei gut zu sehen waren und einen Meter rechts von der weißen Linie fuhren. Im letzten Moment hat er gegengelenkt, aber der Außenspiegel traf mich voll am Oberarm. Mein Glück war, das ich den Lenker fest in der Hand hatte und der Spiegel wegklappte. So blieb ich im Sattel, bremste und stand. Steve sah noch, daß der Fahrer den Finger hob. Mir war nichts passiert, hatte nur Schmerzen. Später beim Essen konnten wir schon wieder lachen und ich war nur noch" Ironman Heinz". So sprachen sie dann abends auch mit anderen Bikern über mich.

Wie rauh es hier zugeht, erlebten François und ich einen Tag später. Da Mike und Steve eine Kurzetappe fahren wollten, fuhr ich mit François nach Kalifornien. Ziel war Elk Creek Camping im Redwood-Statepark.  Kurz nach dem Ort Klamath sahen wir, wie ein Auto eine Joggerin absichtlich rammte und weiterfuhr.  Auch sie war weit links von der Begrenzungslinie. Wir waren baff und eilten zur Hilfe. Sie sagte aber nur, sie braucht keine Hilfe, obwohl sie verletzt war. Wir sollten nur die Polizei rufen. Als ich ihr mein Handy gab, fragte sie, ob wir nicht wüssten, wo wir sind. Die Antwort war für uns ungewöhnlich. Ihr seid nicht in Amerika, sondern im Indianerreservat. Dann humpelte sie weg. Wir riefen also den Sheriff. Der nahm alles zu Protokoll und als wir ihre Worte wiedergaben und vom gestrigen Vorfall erzählten, sagte er nur lakonisch; ja so ist es im Reservat, immer noch Wild West. Die Antwort mußten wir erst mal verdauen. Machten wir auf dem Hiker Biker Platz im Redwood-Statepark. François zauberte lecker Essen und ich dazu lecker Bier. Am nächsten Tag hieß es wieder tschüss,  François und ich verabredeten uns auf einen Punsch in der Weihnachtszeit, denn er fährt bis San Diego, um dann noch mit seiner Freundin Urlaub zu machen.

Ich machte meinen Weg, fuhr zu der Avenue of the Giants, um dann über den Leggett Hill nach Fort Bragg zu fahren. Von Garberville waren es 100 Kilometer, und es wurde eine Herausforderung. Nicht nur der Anstieg auf der engen Straße, wieder am Ozean war es kalt, 13* und Gegenwind. Es war das erste Mal, daß ich platt war und eine Auszeit brauchte. Ich machte mir einen schönen Tag in Fort Bragg. Bis San Francisco waren es ja nur noch vier Tage. Bis dort waren wieder tolle Serpentinen, gute Motels und eine Überraschung. Am Samstag auf dem Weg nach Bodega Bay geriet ich in ein Straßenrennen. Es war der Levis Leibheimer Grand Fondo, 8000 Teilnehmer, die meisten fuhren die 100 Meilen. Bergab ging es bei mir ja auch ganz flott,  aber bei den Steigungen konnte ich nicht mithalten. Ich fuhr aber mit geschwellter Brust, denn alle hatten anerkennende Wort. Ich habe nämlich auf die gelbe Tasche geschrieben; 1. July  New York - 18. September Seaside, Oregon. Man, taten die Lobeshymnen gut. Am Portuguese Beach wurde ich vom Scramteam Fahrer zum Essen am Verpflegungstand eingeladen, doch das wäre zuviel des Guten.


Dann, am Montag kam der Moment, einbiegen auf die Zielgerade oder rauf auf die Golden Gate. Und nichts mit Sonne. Es nieselte, am Aussichtspunkt vor der Brücke stapelten sich die Besucher, weil immer noch Kreuzfahrtschiffe in San Francisco anlegen. Ich hatte kaum Platz, ein Foto zu machen. Die Skyline von San Francisco wirkte auch nicht.  So richtig Stimmung kam nicht auf. Es besserte sich aber, weil die Fahrt entlang der Bay entspannt war. Mit Blick auf die Golden Gate, der Gefängnisinsel Alcatraz ging es durch Parkanlagen bis Fishermans Wharf und wieder raus aus San Francisco.
Mein Hotel habe ich in San Bruno. Denn es ist so, if you going to San Francisco, nicht mit some flowers in your hair, sondern mit some Dollars in your pocket. Wenn man nicht lange im Voraus ein Zimmer gebucht hat, gilt auch für die Vororte, dann glüht die Kreditkarte.


Donnerstag  fliege ich nach Hamburg und freue mich, daß ich diese Tour so gut überstanden habe. Trotz des Beinaheunfalls werde ich auch diese Tour in guter Erinnerung behalten. Das Erlebniss wird dadurch nicht gemindert, wenn es mal schlechte Tage gibt. Es geht nicht um das Außergewöhnliche, das kann man auch zu Hause erleben, wenn man die Augen aufmacht. Es ist die sportliche Herausforderung. Touren dieser Art zu fahren, es ist eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Ich habe mich nie gequält, sondern nur oeftersmal ordentlich anstrengen müssen. Die Entscheidung, daß ich von San Francisco nach Hause fliege, hatte ich in Fort Bragg getroffen. Es wäre noch Zeit gewesen, bis Los Angeles zu fahren, aber genug ist genug. Ausserdem endet in Los Angeles, Santa Monica, eine andere Straße,  John Steinbeck nannte sie " the Mother Road", """" to get there kicks"""".
Man wird ja wohl mal träumen dürfen,  wenn man im nächsten Jahr 66 wird.

Bevor ich nun meinen letzten Bericht beende, beantworte ich noch eine Frage. Nein, ich habe mein Fahrrad weder in Atlantik noch in den Pacific gedipt. Ich bevorzugte ein anderes Prozedere. In New York dipte ich meine Nase in ein Eastcoast IPA, in Seaside in ein Westcoast IPA. Die kleinen Brauereien entlang meiner Strecke machen hervorragende Biere.
So, nun ist erst mal wieder gut mit der Schreiberei.  Bedanken möchte ich mich nochmal für die aufmunternden E-Mails. Es freut mich, daß Ihr meine Berichte gerne gelesen habt. Und wie heißt es so schön: Friends are the bacon bits in the salad of live

Alles Gute und lebt Eure Träume
Heinz

Die letzten 1300 Kilometer gestalteten sich in folgenden Etappen: 19. Sept.  Tillamook,  20. Depoebay, 21. Florenz, 22. Charleston, 23. Port Orford, 24. Brookings, 25. Elk Prairie Campground,  26. Fortuna, 27. Garberville 28.-29. Fort Bragg, 30. Gualala, 01. Okt. Bodega Bay, 02. Mill Valley, 03. San Francisco, San Bruno.

 

 

 

 

Die Radtour von Heinz Dannath 2015 !

 

Heinz ist vielen von Euch ja sicher als Kieler Swingtänzer bekannt.

Heinz ist aber auch begeisterter Radfahrer und hat gerade eine wirklich besondere Radreise gemacht, von der er uns 4 Tourberichte gesendet hat.

Leider hat Heinz die Reise vorzeitig abbrechen müssen, aber lest doch bitte selbst.....................

 

1. Tourbericht

Hallo zusammen,
die meisten wissen es ja, ich bin wieder auf Tour, dieses Mal in Europa. Meine Absicht ist, vom südwestlichsten Punkt Europas, Capo de Sao Vicente, zum nördlichsten, dem Nordkap, zu fahren. Der Anfang ist gemacht. Gestartet bin ich am 25. April in Lagos. Der Prolog fand ein paar Tage vorher statt, Lagos - Cabo de Vicente - Lagos, 80 Kilometer, aber ohne Gepäck.


Die bisherigen Etappen sind
25.4. Villa Nova,
26.4. Comporta,
27.4. Cascais/Guincho,
28.4. Peniche,
30.4. Pedrogao,
1.5. Aveiro/Praia da Barra,
3.5. Porto,
5.5. Valenca do Minho,
6.5. Santiago de Compostela,
8 .5. Lugo,
9.5. Serantes/ Ribadeo,
10.5. Cudillero,
11.5. Gijon (Kurzetappe 50 km).
12.5. Ribadesella,
13.5. Comillas ,
14.5. Laredo


Insgesamt sind es bisher 1.520 Kilometer. Ich fühle mich gut, aber das Umschalten vom bequemen zum spartanischen Leben dauerte doch ein paar Tage. Nach 14 Tagen an der Algarve mit Frau war ich richtig träge. Gutes Appartement, gutes Essen, alles war gut. Die ersten Tage allein liefen darum nicht richtig rund. Das lag wohl am Übergewicht und daran, wieder nur aus der Tasche zu leben. Das Umschalten wurde auch erschwert, weil man auf
den Campingplätzen in Portugal günstig Hütten oder Zimmer mieten konnte. Da siegte dann die Bequemlichkeit, und das Zelt blieb in der Tasche. Regentage begünstigten auch die Entscheidung, ein Hotelzimmer zu nehmen. Es muss sich erst einmal wieder alles einspielen, wieder darüber nachdenken, wie alles organisiert werden kann. Die Entscheidung, durch Portugal zu fahren, fiel halb spontan. Die eigentliche Route führt durch Spanien (www.biroto.eu Atlantikküstenroute, Teil 1), ich hatte aber für das Garmin eine Portugalalternative ausgearbeitet. Weil mir die Algarve so gut gefiel, blieb ich also in Portugal. Apropos Garmin, ich habe aufgerüstet. War ich 2011 noch der Meinung, ich brauche so etwa nicht, bin ich in Kanada durch meinen Freund Max auf den Geschmack gekommen. Jetzt bin ich mit einem Oregon 450 und einem Sony Xperia z3 unterwegs. Einen SON Nabendynamo habe ich auch. Und damit alles funktioniert, fahre ich in der Lenkertasche ein Zzing Ladegerät spazieren. Das spart jede Menge Gewicht, weil alle Länderinfos als PDF abgespeichert sind. Apropos Gewicht, ich habe das Gefühl, ich schleppe 10kg mehr als 2011 mit mir herum. An den Steigungen dachte ich manchmal, dass ich den Berggang doch hätte verbessern können, 26 vorn und 30 Zähne hinten ist doch ein bißchen eng. Also bin ich in Santiago de Compostela in einen Bikeshop und habe umgerüstet.

 

Doch nun zu meinem Streckenverlauf. Gut, ich bin jetzt nicht mehr träge, aber die Steigungen, die ich in den letzten Tagen hatte, haben meine Beine ganz schön weich gemacht. Die ersten Tage in Portugal waren ja auch nicht leicht. Von Lagos mußte ich gleich klettern und war der Meinung, das geht gut zur Sache. Aber so schlimm wurde es doch nicht. Die Küstenstraße im Alantejo ließ sich gut befahren, war nicht sehr abwechslungsreich, aber durch den Rückenwind kam ich gut voran. Und auch wenn kleine Städtchen kommen, so kann es sein, das rundherum Industrieanlagen sind. Sines ist so ein Beispiel, Containerterminal, Petrochemie,  Großkraftwerke. Bis Lissabon war alles dabei. Die Straße führt häufig direkt an der Küste entlang. Nah ist aber relativ, denn um an die schönen Surfstrände zu kommen, muss man erst die Steilküste runter, es sind aber überall Treppen. Überhaupt Surfer, die sieht man an jedem Strand, das Mekka ist aber Nazere, denn dort können die höchsten Wellen geritten werden. Nördlich von Lissabon war es landschaftlich schöner. Die Strecke bis Peniche enthielt noch viele Steigungen, darum gönnte ich mir dort ein Ruhetag. Das Städtchen war einen Besuch wert. Schon der Besuch der Festung, wo unter Salazar politische Gefangene einsaßen, lohnte sich. Bis Porto wäre alles schön gewesen, wenn es am verlängerten Wochenende nicht geregnet hätte. Also bin ich in Praia de Barra / Aveiro zwei Nächte ins Hotel. Es gibt ein paar Dinge, über die ich nicht nachgedacht hatte. Es ist von Vorteil, die Fahrzeiten der Fähren zu kennen, dann muss man auch nicht von Lissabon bis Cascais bei Gegenwind in der Rushhour fahren, sehr stressig. Oder am langen 1.Mai-Wochenende hoffen, nach einem langen Regentag auf einem Campingplatz eine Hütte zu bekommen. Und am Anfang weniger Kilometer fahren, ist gesünder .Und ich hätte immer weghören sollen, wenn Portugiesen oder Schweizer erzählen, daß der nächste Streckenverlauf ganz flach ist. Das irritiert nur. Von Lissabon an wurde auch ich zu einem Pilger. Denn von dort führt ein Camino nach
Santiago de Compostela. Und diese Caminos führen häufig entlang der Landstraßen, so daß ich jeden Tag Pilger überholte .Bis Porto waren es noch nicht so viele .Aber dann stieg die Zahl stetig .Und es wird einem nichts geschenkt .Ich wollte keine Urkunde ,daß ich den Camino gefahren bin ,aber verdient hätte ich sie mir. Denn es ist für alle ein beschwerlicher Weg. Peter Maffay hat mal gesungen, „über sieben Brücken musst du gehen“, in diesem Fall über mindestens zehn Berge .Die Stadt muss man erklimmen, bis zum Campingplatz immer wieder Steigungen. Dann aber in der Kathedrale zu sitzen, rundum glückliche Pilger, ist schon ein komisches Gefühl. Auch in den Straßen sah man nur zufriedene Rucksacktouristen (Pilger).


Und nach so viel Andacht sprach der Herr „freue Dich, es kann schlimmer kommen". Und ich freute mich, und es kam schlimmer. Mir wurde immer erzählt, Portugal ist bergig. Die waren wohl nie in Galizien oder Esturia. War ich der Meinung, ich bin gut in Form und das 32er Ritzel wird alles reißen, so ging meine Leistung bis Gijon gegen Null. Ich kam mir vor wie Sisyphos, nur hatte ich niemanden erzürnt .War ich oben angekommen, ging es ganz hastig wieder runter, um gleich wieder anzusteigen. Das muss man sich das so vorstellen: Man startet am Thiessenkai, fährt Richthofenstraße hoch, dann über die Olympiabrücke und über die Prinz Heinrich Brücke, Appenrader Straße wieder zurück. Und das den ganzen Tag, wobei es auch häufiger mehr als nur 40 Höhenmeter zu bewältigen gab. Auf der Fahrt nach Gijon merkte ich, dass ich saft- und kraftlos war. Ich glaube, dass ich ein Leck im Kühlsystem habe. Mein Wasserverbrauch liegt bei 4 bis 5 Liter am Tag und das bei Temperaturen zwischen 15° und 18°. Das muss ich mal kontrollieren lassen. Die 50 km fühlten sich schlimmer an als die 390 Kilometer von Valenca bis Cudillero. Mittags hatte ich schon ein Hotel und machte Körperpflege. Aber ich will nicht meckern. Die Anstiege sind auch Meditationsphasen. Es geht viel Sinn und Blödsinn durch den Kopf, z.B. der Songtext von Xavier Naidoo "dieser Weg wird kein leichter sein". Bergab blieb dafür keine Zeit. Ich musste mich bei 40-50 km/h immer auf die nächste Kurve konzentrieren. Ich bin immer noch zufrieden, auch wenn ich die meiste Zeit allein bin. Auf den Campingplätze sind meistens Wohnmobile mit noch älteren Leuten als ich es bin, und die haben die Satellitenschüssel ausgefahren, also keine Zeit. Doch die Begegnungen mit anderen Reisenden waren immer kurzweilig .Sei es das Schweizer Ehepaar, das voller Freude darüber berichtete, wie günstig ihr Wohnmobil in Algerien repariert wurde, ohne Schweiz-Zuschlag. Oder der Lebenskünstler (43), der per Anhalter immer mit LKWs durch Europa zieht. Dazu kann man sich auf YouTube unter "earl saint germain 72" kleine Videos ansehen. Carmen aus Hamburg nicht zu vergessen, die jetzt, da die Tochter studiert, ihren Hausstand aufgelöst hat und seit dem 21 März mit dem Fahrrad unterwegs ist und die Welt bereisen will. Die meisten Radfahrer sind Kurzurlauber, so der Holländer Wim oder der Schweizer Remon, die nach Kündigung und vor dem neuen Job noch mal Urlaub machen. Toll war auch immer, wenn mich am Berg Rennradfahrer überholten und mir zuriefen "vamos amigo ", das baut auf.


So habe ich es geschafft, bis nach Laredo zu kommen, und ich hoffe nur, daß mal eine Schönwetterfront meinen Weg kreuzt. Eins steht jetzt schon fest, diese Tour ist richtig spannend. Hier weißt du morgens nicht, wie der Tag wird. Wenn ich nach drei Stunden einen Schnitt von ca. 17 km/ h hatte, so waren es abends nur noch 13. Und nicht, wie gedacht, ca. vier Uhr da, nein, es ist sechs oder später. Mal sehen, was noch auf mich zukommt.
So, das muss erst einmal reichen. Ich wünsche Euch alles Gute und grüßt die von mir, die keine E-Mail bekommen haben.

Bis demnächst
Heinz

2. Tourbericht

Hallo, da bin ich wieder
Seit dem 14. Mai sind wieder ein paar Kilometer dazugekommen, und da ich nun Irland erreicht habe, finde ich, ist es Zeit, mich wieder zu melden.
Doch erst einmal vielen Dank für die aufmunternden E-Mails. Habe mich sehr darüber gefreut. Um jedem zu antworten, fehlt mir aber die Zeit. Tagsüber habe ich die Hände am Lenker, und abends habe ich genug mit den alltäglichen Sachen zu tun. Und ich brauche auch Zeit zum Entspannen.
Ja, es ist der Piping Plover aus Kanada. Ich bin zwar nicht der Talismantyp, aber da er mich durch Kanada begleitet hat, konnte ich ihn jetzt nicht zu Hause lassen. Außerdem habe ich bei Selbstgesprächen immer einen Ansprechpartner. Und was ist in der großen gelben Tasche? Eigentlich nicht viel, siehe Foto. Hilleberg Nammatj 3, Trangia Kochgeschirr plus Brenner und Kartusche, Kleinteile für eventuelle Reparaturen und zwei Transportsäcke, einer fürs Fahrrad, einer für Gepäck, dann noch ein Stuhl und einen Tisch. Das ist alles. Na ja, nicht ganz. Als Optimist habe ich auch noch ein Sonnensegel für heiße Tage eingepackt. Warum ich die Idee hatte, weiß ich nicht mehr. Aber es geht auch anders. Ich habe ein Foto von Pierre
angehängt, er will an der portugiesischen Küste runter und dann die Mittelmeerländer bereisen. Er hat sogar ein Didgeridoo dabei.


Doch nun meine Stationen seit Laredo:
15. Mai Bilbao / Derion,
16. Mai Zarautz, Spanien
17. Mai Saint Jean de Luz, Frankreich
18. Mai Contis le Bains,
19. Mai Arcachon,
20. Mai Hourtin Plage,
21. Mai Marennes Plage,
22. Mai Aytre Plage
24. Mai Brem sur Mer,
25. Mai San Brevin,
26. Mai Ploermel,
27. Mai, Gouarec
28. Mai Saint Pol de Leon,
29. Mai Plymouth, England
31. Mai Bideford,
1. Juni Wheddon Cross,
2. Juni Kewstoke (Weston super mare),
3. Juni Peterstone( Cardiff),
4. Juni Talbot,
5. Juni Carmarthen
6. Juni New Ross, Irland


Zwei Tage war ich noch in Spanien, und ein Highlight auf dem Weg nach Frankreich war die Schwebefähre von Bilbao. Leider konnte und wollte ich nicht mit dem Fahrstuhl nach oben, weil es stürmisch und regnerisch war. Den letzten Tag, ich hatte ein Zimmer in Zarautz, konnte ich erleben, wie in einem spanischem Badeort die Post abgeht. Es war erst ein ruhiger Ort im Nieselregen, kaum Menschen unterwegs. Auch in dem Lokal, in dem ich halb sieben Uhr saß, waren nicht viele. Doch Schlag sieben Uhr dachte ich, eine Veranstaltung wäre zu Ende. Mit Kind und Kegel strömten Leute herein, und es wurde so laut und voll, dass sogar ich das Weite suchte. Ich wollte noch in Ruhe ein Bier trinken, doch in allen Kneipen ging es zu, als wenn irgendetwas Besonderes gefeiert wird. Und überall war es laut bis zum Anschlag. Die Einreise nach Frankreich am nächsten Tag war sehr erfreulich. Morgens auf spanischer Seite wieder Aprilwetter, ging gleich hinter der Grenze die Sonne auf. Grund für mich, nach 65 Kilometern den nächsten, aber auch besten Campingplatz aufzusuchen. Zelt aufgebaut, Stuhl raus und erst einmal den Bauch zur Sonne ausgerichtet und Sonne getankt. Mit mir waren zwei Französinnen angekommen, die mir erzählten, dass sie von Santander aus über die Küstenstrasse bis A Coruna, Cap Finestere nach Santiago de Compostela gefahren sind, von dort mit dem Nachtbus nach San Sebastian und jetzt hier. Auch sie waren froh, endlich mal Sonne und Wärme zu genießen.


Das war dann auch in Frankreich das einzige Mal, dass ich früh auf einem Platz war und Sonne genießen konnte. Am 19.Mai war bis dahin der kälteste Tag, Nieselregen, kalter Nordwind, also Gegenwind, den ganzen Tag so um 12°. Meistens bin ich um 17:30 Uhr aufgeschlagen, denn um vor dem Zelt zu sitzen, war es zu kalt, und bei dem meist heftigen Wind lief am Strand das Sandstrahlgebläse. Da war Radfahren am besten, weil ich dann nicht fror.
Dabei sind hier so tolle Plätze, dass man zwei, drei Tage bleiben müsste. Bis La Rochelle sind nette Orte, um Urlaub zu machen und nicht nur durchzufahren. Allein die Fahrt auf der Gironde war Natur pur, keine Autos, keine Menschenseele. Schaut euch mal "Velodyssey.com“ oder „bernezac.com" an. Auf den Campingplätzen kann man auch Hütten mieten, 40 € mit Dusche und WC. Im Mai ist ja noch nicht viel los, darum hatte es mich gefreut, als ich auf dem Platz Les Lacs am Abend von einem deutschen Camper ein 1/4 Liter Medoc bekam. Es hat ihn imponiert, was ich vorhabe, und er wollte wohl mein kärgliches Abendbrot aufpeppen. Es waren nette Leute aus Neuss, die jedes Jahr in der Vorsaison hier auf dem Edelplatz, 25 € nur fürs Zelt, Urlaub machen. Nun mache ich die Tour nicht, um Schwebefähren abzuklappern, aber ich musste durch Rochefort durch, und dort ist auch eine zu bewundern. Es sollte nicht die letzte sein, denn es gibt noch eine Newport, wo ich auch vorbei kam. Übersetzen klappte nicht, weil diese im Gegensatz zu Bilbao oder Rendsburg nur noch touristisch genutzt wird. In der Vorsaison sind Überfahrten nur nachmittags. Das ist das Problem mit dem Fahrrad. Man hofft, dass man bestimmte Sachen anschauen kann, und dann ist an dem Tag leider geschlossen. So musste ich hier die Brücke nehmen. Das war auch die größte Steigung bis Saint Nazaire. Wäre nicht der stetige Nordwind gewesen, wäre ich wohl in kürzerer Zeit in Roscoff gewesen, denn es waren nur Flachlandetappen. Ich habe immer wieder überlegt, was ich beim Radfahren mehr genieße, Gegenwind oder Steigungen. Als ich in Saint Nazaire über die Loire- Brücke fuhr (tolles Erlebnis im morgendlichen Berufsverkehr, man ist hellwach) und die ersten Hügel der Bretagne auftauchten, wusste ich, dass das meine Welt ist. Sicherlich ist es beschwerlich, mich und das ganze Gepäck nach oben zu bringen, aber dann, wenn ich die Aussicht genießen kann, sind die Anstrengungen vergessen.


Nach zwei Tagen am Nantes-Brest-Kanal, auch eine schöne Strecke, verließ ich die Eurovelo 1, um noch einen richtigen Berg zu fahren, bevor ich Frankreich verließ. Es ging noch einmal auf den 361 m hohen Col de Tredudon kurz vor Roscoff. Die Aussicht wurde getrübt, weil die Sonne sich wieder
versteckte. So verließ ich am nächsten Tag Frankreich genau wie Spanien, warm angezogen. In England war wieder alles ganz anders. Nicht das Wetter, das war wie immer, nur jetzt mit richtig heftigem Sturm. Anders war auch das Zusammenkommen mit Leuten. Ich denke, durch die
Sprachbarriere auf beiden Seiten war es in Frankreich immer reserviert. In England wurde man immer wieder angesprochen, auch während der Fahrt. Der Zufall wollte es, dass ich auf den ersten Kilometern nach Plymouth von einem Mann angesprochen wurde, mit dem ich mich zwei Tage vorher auf der Fähre unterhalten hatte. So hatte ich die nächsten 15 Kilometer Begleitung, immer schön auf der National Cycle Road Nr. 27. Ich wollte eigentlich trotz der vielen Schleifen immer drauf bleiben, weil es sich gut fuhr. Die Route bot alles, von toller Fahrbahn bis zur Offroadstrecke ging es sehr schnell. Ich hätte die zwei Kilometer lieber schieben sollen, aber bevor ich absteige, dauert es immer. So hatte ich am ersten Fahrradtag in England gleich einen größeren Schaden. Das Gewindeauge, an dem der Gepäckträger befestigt ist, war abgebrochen. Beim reparieren sah ich, dass schon vorher ein kleiner Riss vorhanden war. Irgendwann wäre es also sowieso passiert. Die Reparatur verlief relativ einfach, das Auge an die Bruchstelle gedrückt und mit stabilen Kabelbinder fixiert. Passt, wackelt nicht und hält schon 430 Kilometer, obwohl es immer noch mal über Stock und Stein mit extremen Gefällstrecken geht und natürlich Steigungen. Und wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Für einen 12-Kilometer-Abschnitt von Cardiff nach Swansae brauchte ich mehr als zwei Stunden. Halb so wild, wenn es warm ist und man leicht bekleidet laufen kann.


Und das ist auf dieser Tour mein Problem. Nicht die Topografie, sondern die niedrigen Temperaturen und der kalte Wind machen mir zu schaffen. Wenn es kalt ist, komme ich nicht richtig in Schwung. Es sind aber trotzdem schon über 3000 Kilometer geworden. So vergeht die Zeit, und wenn ich gefragt werde, was ich so erlebe, kann ich nur sagen, das Radfahren ist das Erlebnis. So habe ich auch in England und Wales wieder schöne Stunden mit netten Leuten verbracht. Dem Erich habe ich auf dem Campingplatz in Peterstone geholfen, sein Trike zu reparieren. Mit Curtis, einem Wegeinspector von Sustrans, fuhr ich von Cardiff nach Pondipridd, und er erklärte mir das Sustrans-System (ähnlich ADFC). Mit Sue fuhr ich von Swansae nach Llanelli. Und dann war da noch auf den letzten 20 Kilometern bis Carmarthen Alex (der heißt wirklich so) aus Taiwan, dem in Swansae übel mitgespielt wurde. Ihm hatte man nachts das Rad geklaut. Er war aber trotzdem gut drauf. Er will bis Ende September in Athen sein. Ich bin gestern mit der Nachtfähre von Fishguard nach Roslair gefahren (Abfahrt 02.30 h) und da um halb sieben morgens nicht viel los ist, bin ich weitergefahren, 65 km nach New Ross. Ich hoffe, dass auch die nächsten Wochen wieder nett werden, dann verblassen negative Dinge besonders schnell.


Da ich nun heute durch die Kurzstrecke Zeit habe, ist mein Reisebericht fertig geworden. Allen Kielern wünsche ich eine sonnige Kieler Woche und den anderen natürlich auch eine gute Zeit mit viel Sonne.
Viele Grüße aus Irland
Heinz

3. Tourbericht

Hallo zusammen,
die Zeit vergeht, ich bin doch wirklich schon in Norwegen.
Meine Stationen seit meiner Ankunft in Irland.


06. Juni New Ross,
07. Juni Ballinacoutry
08. Juni Ballinspittle, Garrettstown
09. Juni Ballylickey Eagle Point,
10. Juni Karemare ,
11.Juni Cahersiveen,
12. Juni Tralee
13. Juni Doonbek,
14. Juni Galway,
16. Juni Knockcrohery,
17. Juni Tullamore,
18. Juni Dublin,
22. Juni Portadown,
23. Juni Irvine über Larne-Troon,
24. Juni Cairndow,
25 Juni Duror,
26 Juni Portnaluchaig,
27. Juni Strathcarron,
28. Juni Dingwall,
29. Juni Findhorn,
30. Juni Hundly
01. Juli Dyce/ Flug nach Stavanger


Ein kleiner Nachtrag: Von Carmarthen zum Terminal Fishguard bin ich nicht geflogen, aber auch nicht mit dem Fahrrad gefahren. Das Tretlager hatte den Geist aufgegeben, und in Carmarthen fand ich einen netten Fahrradhändler, der das Lager gleich wechselte. Auf meiner Fahrt dorthin hatte ich
Schienenstränge gesehen, und nun hatte ich Zeit, mich zu informieren. Und es war nicht so, dass (k)ein Zug nach nirgendwo fuhr, sondern dreimal täglich nach Fishguard. Kurz gegoogelt, es passte. Kurz nach fünf Uhr war mein Fahrrad fertig, der Zug fuhr um kurz vor sechs Uhr. Geplant hatte ich für den nächsten Tag die Nachtfähre, nun also konnte ich sie einen Tag früher nehmen.


Alles in allem bin ich nach mehr als 5000 km immer noch gut drauf und zufrieden. Die Tage vergingen wie im Flug. Nicht dass jeden Tag Honigtöpfe am Wegesrand waren, aber es gab immer wieder schöne Tage und Begegnungen. Bei solch einer langen Tour hat man nicht nur Highlights, sondern auch Tage, an denen man nur fährt. Und die Frage, ob ich noch was anderes als Radfahren mache, muss ich verneinen. Swing wollte ich mal versuchen, aber es ist wie in Kiel, man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und Bowling ist hier häufig Greenbowling. Aber ich kann die Abstinenz verkraften. In Irland hätte ich auch gerne noch den Norden abgefahren, aber ich musste meine Tour so gestalten, dass ich am Wochenende des 20. Juni in Dublin war. Ich hatte nämlich ein Sponsorentreffen. Meine frühere Verlobte und Sponsorin Gaby wollte mich sehen, und wir hatten ein richtig schönes Wochenende. Das Gute ist, mein Tourvertrag wurde verlängert. Und es ist schön, wenn ich mal nicht campen kann oder will, zu sagen" Visaaa , das Zimmer nehm ich mir". Es ist für mich nicht selbstverständlich, dass Gaby meine Vorhaben immer akzeptiert, aber ich bin dankbar, dass sie mich immer ermuntert hat, nicht nur zu träumen, sondern auch zu handeln.


Irland war für mich wieder mal Top. Gut, von den 15° +/- 2° bin ich nicht weggekommen, aber bis auf ein paar Stunden Regen war es immer sonnig. Und die Straßen waren überwiegend wenig befahren, wenn man den Ring of Kerry ausnimmt. Als ich zum Healypass rauffuhr , überholten mich nur Volvo Oldtimer, auf dem Ring of Kerry kamen mir ca. 40 Reisebusse entgegen, die anderen Fahrzeuge habe ich nicht gezählt. Und es ist noch nicht mal Saison!! Irland hat aber genug Nebenstraßen, wo man fast allein ist. Vor zu kräftigen Steigungen muss man sich auch nicht fürchten, meistens nicht mehr als 8%. Die Zeltplatzdichte ist auch so, dass man fast immer frei variieren kann. Auch wenn ich viel campe, so ganz einfach lebe ich doch nicht. Wann immer es geht, gehe ich vernünftig essen, denn Kuchen und Marmelade bringen keine Kraft auf die Pedale. Und so bin ich in einem  Familyrestaurant in eine Altherrenrunde gekommen, die alles Mögliche über Deutschland wissen wollte. So gut ist mein Englisch auch nicht, um solche Sachen zu erklären. Lustig war‘s trotzdem mit den Herren. Das ist das Schöne in Irland, abends kann man fast immer einen Pub aufsuchen, was ich
auch tat. Wenn auf dem Campingplatz nichts los war, setzte ich mich mit meinen Dackelblick an den Tresen und kam immer ins Gespräch. Bis die Musik anfing. Mit Irish Music ist es wie mit spanischen Restaurants, erst nach neun Uhr und später geht’s hier richtig ab. Meistens waren überwiegend Einheimische anwesend. In Tralee war es einmal anders, nur Deutsche und Asiaten. Das wäre nicht schlimm, wenn nicht die Deutschen angefangen hätten, deutsches Liedgut zu trällern. Als die Asiaten meinten, sie können es auch, bin ich schnell weg.


Was auch schön ist, wenn man zufällig Leute wiedertrifft, die mir sympathisch waren. Ich halte es immer so, dass ich guten Tag und guten Weg sage, denn man sieht sich ja meistens doch nicht wieder. Doch da waren die vier Radler aus Amberg, die ich das erste Mal auf der Fähre in Tabert traf, dann ihnen in Tullamore half, zwei Zimmer zu bekommen und mit ihnen abends noch einen Pup aufsuchte. Zufällig trafen wir sie auch noch in Dublin,
wo sie wieder auf Zimmersuche waren. Mit Frank und Sylvia aus Dresden war es das erste Mal in Ballilickey und dann in Dublin auf dem Campground. Mit den Beiden haben wir dann noch in der „Temple Bar“ in Dublin einen lustigen Abend gehabt mit Irish Music und Guinness. Drei Tage Dublin waren aber genug. Ich bin dann auch an Belfast vorbei, weiter nach Larne und habe mit der Fähre rüber gemacht nach Schottland. An Schottlands Westküste musste ich meine Strecke erst einmal wieder den Gegebenheiten anpassen, denn sonst klappt es nicht mit Camping. Und die Übernachtungspreise sind ganz schön heftig. Einmal sollte ich in einem Nest 110 € für ein Einzelzimmer bezahlen. Als ich sagte, dass es mir zu teuer ist, bot er mir die Wiese gegenüber zum Zelten an. So ging ich dann mit den Hühnern schlafen, denn die liefen da auch noch rum. Im Pub unterhielt ich mich noch mit einem Ehepaar über Whisky. Auch sie liebten wie ich einen guten Malt Whisky, für ihn als Chemiker ist es nur durch die Holzfässer verunreinigter Alkohol.
Landschaftlich ist der Westen großartig, doch ich möchte mich nicht darüber und auch nicht über Sehenswürdigkeiten auslassen. Das können andere besser, das sehe ich ja jeden Tag, wie die Leute mit den Reiseführern herumlaufen. Alle wollen zurück zur Natur, aber nicht zu Fuß.


Mir war es schon zu viel Verkehr. Wenn man auf einer einsamen engen Straße etwas hörte, musste es hinter der Kurve kein Wasserfall sein, sondern es könnten LKWReifen auf nasser Straße sein. Vielleicht sind meine Erinnerungen ja auch geschönt. Es war auch Wochenende, und die Urlaubszeit beginnt. Es gibt keine Highlandgames, die ich besuchen könnte, die finden sind erst alle ab nächster Woche statt. Wetter und Verkehr machten es mir leicht, von meinem Vorhaben, die Orkneys zu besuchen, abzurücken. Außerdem möchte ich Norwegen nicht als echte Herbsttour erleben. Ich fuhr Richtung Osten zum Whiskytrail. Denn Schottland ohne den Besuch einer Destillerie ist wie Irland ohne Pubbesuch. Strathisla lag auf dem Weg, und die Zeit nahm ich mir. Man kommt aus solchen Besichtigungen immer nüchtern raus, denn die Proben haben homöopathische Größe. Von Huntly nach Dyce bin ich so schnell wie möglich gefahren. Ich hatte schon seit Tagen versucht, ein Zimmer in Dyce zu bekommen, doch günstig war nichts zu machen. So bin ich
morgens früh los und direkt zum Flugplatz in Dyce. Dachte mir, ich gehe mal rein und kaufe ein Ticket. Es war ein bisschen mehr Arbeit, aber um 15:55 Uhr ging mein Flug von Dyce (Aberdeen) nach Stavanger. Die Mitarbeiter von SAS im Telefonservice, aber auch vor Ort waren sehr hilfsbereit, so dass es nicht zu kompliziert war. Und großzügig waren sie auch. Das Abrechnungssystem funktionierte nicht, und so entfiel die Fahrradgebühr. Die 9 kg
Mehrgepäck musste ich auch nicht bezahlen. Lucky day for a lucky man, das war der Kommentar der Angestellten. Nun weiß ich, dass ich 33 kg Gepäck mit mir herumschleppe. Hier in Stavanger bin ich auf dem Sola Campingplatz. Ich habe aber ein Zimmer, um mich zu sortieren. Heute mache ich blau, und am Freitag gehe ich die letzten Kilometer an. Ich glaube aber nicht, dass diese sommerlichen Temperaturen, mit denen ich hier empfangen wurde, bleiben. Ich werd’s ja sehen, ich bin dabei!!


Das war‘s mal wieder. Bis zum nächsten Mal.
Ich wünsche weiterhin frohes Schaffen.
Euer Heinz

4. und letzter Tourbericht

Hallo zusammen!
Dies ist der letzte Bericht, weil ich nicht wie geplant zum Nordkap komme. Die Reise ist durch einen Sturz frühzeitig beendet worden. Ich habe richtige Prellungen, dass mir bei jeder Bewegung alles schmerzt. Meine Reisebegleitung Elke traf es schwerer.


Wer ist denn Elke? Wir begegneten uns am Busterminal in Stavanger, beide angesäuert, weil man Richtung Bergen nicht mit dem Fahrrad aus Stavanger herauskommt. Durch den neuen Tunnel muss man entweder Bus fahren oder die Fähre nehmen. Die Busfahrt von Stavanger nach Bergen war lang, und wir hatten uns viel zu erzählen. Ihr Ziel war wie meines auch Bergen Camping. Ein Bus mit WiFi hat was, wir konnten auf die Homepage vom Campinglatz gehen und stellten fest, dass ein Zimmer zu zweit günstiger ist, als wenn jeder ein Zelt anmeldet. Da wir uns riechen konnten und keine Berührungsängste hatten, stand fest, dass wir gemeinsam ein Zimmer nehmen. Das war gut so, denn zum Zelten war der Platz nicht ideal. Am nächsten Tag machten wir Sightseeing in Bergen und waren in der Touristinfo. Elke wollte unbedingt eine Fjordfahrt machen, ich wollte Rad fahren. Wir fanden einen Kompromiss, und ich war so meine Scheuklappen los, die meinen Blick immer nur stur zum Nordkap gehen ließen.


Unser Reiseverlauf
05. Juli Rad-Schiffstour nach Maloy,
06. Juli Ulsteinvik,
07. Juli Alesund,
08. Juli Ausflug Geirangerfjord,
09.Juli Molde,
10. Juli Kristiansund,
11.Juli Nachtfähre Trondheim,
12. Juli Verdal,
13. Juli Namsos,
14. Juli Lysfjord, Svaberget Camping,
15.Juli Crash 12 Kilometer vor der Fähre Holm-Vennesund.


Das mit der gemeinsamen Nutzung der Hütte / Zimmer hat uns beiden gut gefallen, und so blieben wir dabei, denn die Temperaturen kamen nicht aus dem Keller raus. Da Elke Rücken hat, lag sie immer unten…….., wenn es Etagenbetten gab. Alles lief super. Schon am ersten Tag merkte ich dass sie keine Sonntagsfahrerin ist. Auf unserem Weg zum Lygra Lynheisenteret waren ein paar gute Steigungen, die sie locker anging. Als dann ein Abschnitt mit gut 13% kam, fuhr ich nicht mehr pfeifend nebenher, sondern pfiff auf dem letzten Loch. Elke aber, wie sie es ausdrückte, biss in den Lenker und
fuhr durch. Ich hielt immer wieder an, um den Druck vom Kessel zu nehmen. Oben angekommen strahlte sie und meinte, es ist gut, mit einem gleichwertigen Partner zu fahren. Belohnt wurde dieser schöne Sommertag mit einem Mittagskonzert im Lynheisenteret. Mit der Fähre ging es dann nach Maloy, wo wir auch eine Hütte bestellt hatten. Wir beschlossen, die Zelte nur im Notfall zu benutzen, denn es war wieder kalt und regnerisch.
Wir kamen uns nicht in die Quere und nicht zu nahe und hatten eine tolle Zeit bis eben zu diesem Crash am 15. Juli. Wir waren an diesem Tag beide guter Dinge, sind bei kaltem und bewölktem Himmel los, hatten die ersten Steigungen genommen, und dann ging es abwärts. Die Landschaft war
auf einmal grandios. Und dann zwei Sekunden Unaufmerksamkeit und unsere Taschen berührten sich. Wie genau der Ablauf war, weiß ich nicht, es ist wie ein Blackout. Wir lagen auf der Straße, und nichts ging mehr. Wie wir es geschafft haben, zur Fähre zu kommen, ist mir jetzt ein Rätsel, denn Elke hatte starke Schmerzen in der Schulter. Sie hat es trotzdem geschafft. Hut ab.


In Vennesund war gleich am Anleger ein Campingplatz, dort waren Leute, die uns sehr behilflich waren. Sie riefen die Ambulanz und boten mir an, die Fahrräder mit Gepäck einzuschließen. Dann ging es mit der Ambulanz ins 12 Kilometer entfernte Vik, wo ein Arzt meinte, sie muss ins nächste Krankenhaus zum Röntgen. Das hört sich einfach an, das Krankenhaus Sandnessjoen ist für die Ambulanz nur per Boot schnell zu erreichen. So ging
unsere Fahrt zum Fähranleger Horn, und dann nahm ich Abschied von Elke. Das Boot brachte sie ins Krankenhaus. Mein Glück war, dass mir die Ambulanzfahrerin half, die Autovermietung in Broenneysund zu finden, denn ich wollte alles organisieren, damit ich Elke von Sandenesssund abholen
konnte.


Und nun ist es so, dass wir unsere Reise beenden und ich Elke bis Oslo begleite, sie ins Flugzeug steigt und ich mit der Fähre von Oslo aus nach Hause komme. Das Ende der Reise hatten wir uns anders vorgestellt, aber es ist, wie es ist. Ich sage nun Tschüss und bedanke mich nochmals für alle aufmunternden E-Mails.


Bis demnächst irgendwann
Heinz


PS: Elkes Erlebnisse findet ihr in dem Blog https://abmitdemrad.wordpress.com. Sie ist 62 Jahre alt, hatte vor 5 Jahren schwere gesundheitliche Probleme, sich aber wieder ins Leben zurückgekämpft. Sie war seit dem 5. Mai 2015 ganz allein von Freiburg Richtung Norden unterwegs, bis wir uns trafen.

Wir bedanken uns bei Heinz Dannath für die schönen Berichte von seiner Reise und für die tollen Fotos, die wir mit seiner Erlaubnis hier posten dürfen!

Wir sehen Ihn hoffenlich bald beim Tanzen und wünschen auch Elke eine schnelle Genesung und Alles Gute für die nächste Tour!

Gerhard & Jörg