Swing-Tänze

- Lindy Hop

- Balboa

- (Collegiate) Shag

- St. Louis Shag

- 1920s Charleston

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Swing ist nicht ein einziger sondern eine ganze Gruppe von Tänzen. Am bekanntesten und heute wohl am häufigsten getanzt sind Lindy Hop (Jitterbug), Balboa, Collegiate Shag, East Coast Swing und West Coast Swing. Entstanden sind diese Tänze etwa in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre in den USA beginnend mit dem Charleston of the 1920s, der als Vorläufer zu sehen ist ebenso wie der Stepptanz. Eng verwandt mit den Swing-Tänzen bzw. daraus entstanden sind Jive, Boogie Woogie, Rock'n'Roll und als Nachfolger wird häufig der Disco-Fox genannt. Die Blütezeit des Swing waren die 1930er und 1940er Jahre.

Swing ist im Grunde ein Rhythmus, der aus schwarzafrikanischen Rhythmen entstanden ist, die von den nach Amerika verschleppten afrikanischen Sklaven mitgebracht wurden, und gepaart mit weißer Marschmusik in der älteren Jazzmusik vorherrschte.  Der Swing-Tanz in seiner ursprünglichen Form entstammt den Tanztempeln im schwarzen New Yorker Stadtteil Harlem, insbesondere aus dem berühmten Savoy-Ballroom, und wurde Savoy-Style Swing oder Lindy Hop genannt.

Ein sehr schönes Beispiel, fortgeschritten Swing zu tanzen, zeigen Kevin & Carla beim BarSwingOna 2003 in Barcelona/Spanien.

 

Lindy Hop (Jitterbug) als früher Swing-Tanz entstand Ende der 1920er Jahre und hatte seine Hochzeit in den 1930er Jahren. Lindy Hop ist auch heute in der Zeit des Swing-Revivals der Inbegriff des Swing-Tanzes. Aus dem Lindy Hop entwickelten sich später z. B. East Coast- oder West Coast-Swing, Jive oder Boogie Woogie . Die Namensgebung des Tanzes soll in Verbindung stehen mit der ersten Atlantik-Alleinüberquerung im Flugzeug durch Charles Lindbergh 1927:  der zu der Zeit im Savoy-Ballroom tanzende George Snowden (Shorty George) wurde gefragt, was er denn da tanzen würde, und seine Antwort war spontan: Lindy Hop (Lindy hopped the Atlantic). Aber es gibt auch noch andere Geschichten um den Namen "Lindy Hop", wie Ihr bei uns auf der Seite Swing Geschichte lesen könnt.

Eine Reihe von Beispielen des ursprünglichen Lindy Hop der 1920er und 1930er Jahre mit den bekannten Tänzerinnen und Tänzern wie Big Bea, Jean Veloz, Frankie Manning und "Shorty" George Snowden zeigt diese Video-List, und aus der Swing-Revival-Zeit sehr aktuell ein Classic Lindy Hop von Skye Humphries & Frida Segerdahl 2011 in Alexandria. Absolut sehenswert ist auch dieses Video mit Simona und Mindaugas.

 

Ist die Tanzfläche zu klein und/oder zu voll, bietet es sich an, mit kleinen Schritten auf kleinem Raum Balboa zu tanzen. Der Tanz hat seinen Namen von der Insel Balboa in der Nähe von Los Angeles/USA. Eine regelmäßige Swing-Veranstaltung dort war so beliebt, dass wegen Überfüllung raumgreifender Lindy Hop oder Shag nicht getanzt werden konnten ohne die Mittänzer in Verletzungsgefahr zu bringen. So wurde aus der Not der Balboa erfunden, den man sehr "klein" und mit sich berührenden Oberkörpern der Partner tanzt. Die Tänzer befinden sich in einer Art fester Umarmung und tanzen überwiegend auf dem Fleck, was aber bedeutet, das eine starke und schnelle Fußarbeit gefragt ist, und selbst bei schnellem Tempo der Musik gut getanzt werden kann. Bei perfekten Paaren sieht es so aus, als würden Sie über der Tanzfläche schweben und gleiten. Faszinierend sind schnelle Drehungen und Wechsel der Tanzrichtung bei trotzdem immer großer Nähe der Tanzpartner.

Nach dem Lindy Hop erfreut sich Balboa einer immer größeren Beliebtheit im Swing-Revival. Rob Dickersen und Kate Feldmann aus Charlottesville/USA zeigen Euch hier in einem eindrucksvollen Balboa-Demo, dass Swing-Tanz auch mit wenig Platz auskommen kann. Weitere Anregungen findet Ihr in der folgenden  Video-List.

 

Ein Quick-Quick-Slow-Slow-Rythmus (auf sechs Taktschlägen) kennzeichnet den (Collegiate) Shag, einen Swing-Tanz aus den 1930er und 1940er Jahren. Der Shag wird in sehr enger Paartanz-Haltung getanzt, wobei der Oberkörper weitgehend ruhig bleibt und die Führhand nach oben oder unten gestreckt wird. Die Beine führen schnelle Bewegungen durch, wodurch auch bei diesem Tanz leicht der Eindruck entsteht, dass die Tanzpaare über dem Tanzboden schweben; die Beine laden mitunter weit aus, z. B. beim Sailor Step, so dass der Shag ausladender getanzt wird als Balboa. Bei schnellem Tempo werden die Bewegungen dann relativ klein gehalten.

Wie sich der Shag ansieht zeigt das Demo-Video mit Arnas Razgunas & Egle Nemickaite aus Vilnius/Litauen, und auch hier haben wir eine umfassendere Video-List für Euch.

 

St. Louis Shag ist ein Swingtanz, der sich aus dem Charleston entwickelte. Es gilt als erwiesen, dass er in St. Louis, Missouri seinen Anfang nahm. In der Regel wird er sehr schnell und in geschlossener Tanzhaltung zu Stomp-, Jump- und Boogie-Woogie-Musik getanzt. Der St. Louis Shag entstand in den 1930ern als örtlicher Swingtanz und beinhaltet eine grundlegende Basis, die am häufigsten aus Triple-Step - Kick - Triple-Step-Kick besteht.

Eine weitere Version des St.Louis Shag wurde in den 50er Jahren durch Kenny Wetzel, einem Einwohner aus Ost-St. Louis bekannt. Hier ist die Basis meist Triple Step - Kick - Schritt-Stomp - Lauf-Lauf. Nachdem Kenny Wetzel seinen Wohnsitz nach Süd-Californien verlegte, wurde der St. Louis Shag auch dort bekannt. Rhythmische Variationen und freie  Übergänge zwischen Shag und Lindy Hop machen diesen Tanz so interessant. Dank Tänzerinnen und Tänzern wie Valerie LaFemina, Bob Brooks, Sylvia Sykes und John Bedrosian wurde der St. Louis Shag überliefert und wird heute weltweit getanzt. Simona Pogosian und Rokas Borusevicius zeigen hier wie es geht. Weitere Videos mit Christian Frommelt & Jenny Shirar gibt es hier und hier zu sehen.

 

Warum wir an dieser Stelle über den 1920er Jahre Charleston schreiben? Die Antwort ist einfach: der Charleston ist ein Vorläufer der Swingtänze und hat insbesondere dem Lindy Hop sehr viele Tanzelemente mitgegeben, es fällt hier auch oft der Name Lindy Charleston. Der Charleston war der weit verbreitete US-amerikanische Gesellschaftstanz der 1920er Jahre, benannt nach der Stadt Charleston/South Carolina. In Europa wurde Charleston besonders durch Josephine Baker von Paris aus publik gemacht.

Dieser Tanz mit ursprünglich afroamerikanische Wurzeln wurde sehr schnell vom weißen Amerika adaptiert. Der Tanz galt im Allgemeinen als unsittlich und provokativ und er war Protesttanz gegen die Alkoholprohibition in den USA - Frauen in Hosen und Anzügen tanzten ihn alleine oder als Paar in einschlägigen Lokalen.  Der Charleston ist ein sehr schneller Tanz, und charakteristisch sind die sich abwechselnden X- und O-Beine, die durch das Verdrehen der Füße entstehen. Die Steuerung der Schritte erfolgt über die Knie, und durch den pendelnden oder kreisenden Einsatz der Arme ist die Koordination des ganzen Körpers erforderlich.

Ksenia Parkhatskaja und Pierre Maury zeigen den Charleston beim Bal Swing Spirit of Lindy/ Paris 2011,  und die Play-List gibt Euch weitere schöne Beispiele. Übrigens könnt Ihr auch heute  diesen Tanz wieder vielerorts in Deutschland erlernen.